Konsequenzen angekündigt

Gesundheitsminister plant Krisentreffen im Organskandal

Krisentreffen zum Skandal um offenbar manipulierte Organtransplantationen.

- Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will am 27. August mit Vertretern des Gesundheitswesens über Konsequenzen beraten. Bundesärztekammer und die in der Transplantationsmedizin eingebundene Stiftung Organtransplantation verlangen zusätzliche fachliche Kontrollen, lehnen mehr staatliche Aufsicht aber ab.

Die Staatsanwaltschaft in Regensburg geht derweil weiter von einem Einzeltäter aus. Ein ehemaliger Oberarzt am Universitätsklinikum soll 2004 bis 2006 mindestens 23 Patientenakten manipuliert haben, um Patienten bevorzugt zu einer Lebertransplantation zu verhelfen. Der Mediziner wechselte 2008 an das Uniklinikum nach Göttingen, wo er auch Daten von Aspiranten für eine Lebertransplantation gefälscht haben soll. Er ist dort mittlerweile suspendiert. Sein ehemaliger Vorgesetzter in Regensburg ist inzwischen beurlaubt, weil er möglicherweise seiner Kontrollpflicht nicht ausreichend nachgekommen ist.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, die Zahl der Lebertransplantationen in Regensburg sei auch nach dem Weggang des Arztes gestiegen: von 48 im Jahr 2008 auf 69 im Jahr 2009. Ein solcher Zuwachs gelte als ungewöhnlich, zumal selbst die größten deutschen Transplantationszentren nur rund 100 Lebern pro Jahr verpflanzten.

Der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Günter Kirste, lehnte bereits zusätzliche staatliche Kontrollen ab. Vielmehr sollte eine zusätzliche "fachliche Ebene eingeführt werden, die auch die Kompetenz hat, zu kontrollieren", sagte Kirste. Konkret sollten die Anmeldungen auf den Wartelisten für eine Transplantation von Ärzten überprüft werden, die nichts mit Organtransplantationen zu tun haben. Die Stiftung steuert etwa die Zusammenarbeit zwischen den rund 50 Transplantationszentren und den Krankenhäusern mit Intensivstation.