Geheim

Obama erlaubt der CIA Einsätze in Syrien

Offiziell bestätigt wird der Geheimerlass nicht. Gemunkelt wird darüber längst

- Im syrischen Bürgerkrieg ist ein baldiges Ende nicht abzusehen. Das liegt nicht nur daran, dass beide Seiten nach wie vor verbittert und erbarmungslos um jede Stadt, jedes Dorf und jede Straße kämpfen. Es liegt vor allem daran, dass in Syrien inzwischen ein Religions- und Stellvertreterkrieg entbrannt ist, in dem die Trennlinien zu verschwimmen drohen.

Deserteure und Aufständische gegen die Assad-Regierung und die ihm gegenüber loyale Armee - so einfach ist das nicht mehr. Auf die Seiten der Rebellen haben sich Dschihadisten aus Libyen, dem Irak oder Algerien geschlagen. Mehrere Tausend sollen es inzwischen sein. Sie sind ein Zweckbündnis mit der Freien Syrischen Armee (FSA) eingegangen. Aber es geht ihnen nicht vornehmlich um den Sturz des syrischen Präsidenten und dessen Machtapparat, sondern um die Ausbreitung ihrer islamistischen Ideologie auf ein politisches Schlüsselland in der Region. Die Frage wird sein, ob die FSA die Geister, die sie rief, in einer möglichen Neuordnung des Landes nach dem Sturz der Assad-Diktatur wieder loswird. Als sicher darf gelten, dass die Al-Qaida-Sympathisanten den Lohn für ihren Blutzoll einfordern werden - zahlbar in Einfluss und Machtbeteiligung, nicht in Geld.

Welcher Teufel wird gefüttert

Vielleicht ist das der Grund, warum die freie Welt so zögerlich ist, die Rebellen mit mehr als humanitären Gütern, Logistik oder Aufklärung zu unterstützen: Sie weiß einfach nicht, welchen Teufel sie da füttert. In der jüngeren Geschichte sind waffentechnische Aufrüstungen in der sensiblen Region mehrfach schiefgegangen: Mit Saddam Husseins Irak wurde ein Bollwerk gegen den Iran aufgerüstet, das sich später in zwei Golfkriegen gegen die einstigen Sponsoren wandte. Auch die Taliban im "Befreiungskampf" gegen die Sowjets zu unterstützen erwies sich als folgenschwerer Fehler, für den bis heute bezahlt wird.

Saudi-Arabien und Katar sind da weniger zögerlich als die USA und liefern den Rebellen Waffen über den türkischen Umschlagplatz Adana, der 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt und ganz in der Nähe der US-Luftwaffenbasis Incirlik liegt. Der türkische Geheimdienst soll Transport und Schmuggel der Waffen nach Syrien organisieren. Die Lieferungen umfassen neuerdings wohl auch Panzer- und Luftabwehrraketen, wie Internetvideos vermuten lassen. Zwei Dutzend dieser effektiven Waffensysteme gegen Assads Luftwaffe sollen derzeit in Rebellenhand sein.

Die Motive der Golfaraber für ihre Waffenhilfe sind neben denen der religiösen und teilweise stammesgeschichtlichen Verbundenheit ziemlich durchsichtig: Ein sunnitisch-regiertes Syrien soll als Gegenpol zum schiitischen Iran und der ebenfalls schiitischen Hisbollah im Libanon dienen und Riads regionale Vormachtstellung im Wettstreit mit dem Iran stärken. Den Golfarabern scheint es dabei egal zu sein, wie radikal ein neues Regime in Damaskus am Ende sein mag - Hauptsache, es ist sunnitisch.

Nun hat sich aber auch US-Präsident Barack Obama Informationen des Senders CNN und der Nachrichtenagentur Reuters zufolge dazu durchgerungen, den Rebellen mehr Hilfe zukommen zu lassen - am UN-Sicherheitsrat vorbei, in dem die Syrien-Verbündeten Russland und China wiederholt ein schärferes und robustes Sanktionsregime gegen die syrische Führung mit ihrem Veto verhindert haben. Der US-Präsident habe in einer geheimen Anordnung verdeckte Unterstützung des Geheimdienstes CIA und anderer Organisationen für syrische Aufständische genehmigt, hieß es unter Berufung auf US-Regierungskreise.

Schlachtfeld Aleppo

Wann genau Obama die Anordnung unterzeichnet haben soll, konnten beide Quellen nicht sagen. Nach Angaben der Gewährspersonen sei dies aber in den vergangenen Monaten geschehen. Offiziell habe Washington den syrischen Oppositionellen 25 Millionen Dollar für Kommunikationstechnik und 64 Millionen Dollar humanitäre Hilfe bereitgestellt. Während des Libyen-Krieges hatte Obama eine ähnliche Direktive zur Unterstützung der Rebellen unterzeichnet, die den damaligen Machthaber Muammar al-Gaddafi bekämpften.

Die Rebellen scheinen Aleppo bewusst zum kriegsentscheidenden Schlachtfeld gewählt zu haben. Sie provozieren damit eine Militäroffensive in zivilem Umfeld. Das hatten die Rebellen in Homs auch schon versucht. Eine solche Taktik ist zynisch. Doch inzwischen gelten die Rebellen als gut organisiert und erfolgreich mit ihrer Guerillataktik. In der seit über einer Woche andauernden Schlacht um die Wirtschaftsmetropole Aleppo konnten die Aufständischen nicht nur die Angriffe der regulären Armee abwehren, sondern starteten am Donnerstag auch einen Panzerangriff auf einen Luftwaffenstützpunkt. Die Rebellen eröffneten mit einem erbeuteten Panzer das Feuer auf den Luftwaffenstützpunkt Menakh rund 35 Kilometer nördlich von Aleppo. "Wir haben den Flughafen mehrmals angegriffen, aber dann entschieden, uns zurückzuziehen", sagte ein Kämpfer, der sich Abu Ali nannte. In der Stadt selbst befestigten die Rebellen ihre Stellungen in Erwartung des Sturms der 2,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt. Nach eigenen Angaben haben sie in dieser Woche drei Polizeistationen eingenommen. Mehrere andere Polizei-Einrichtungen würden belagert.

Die Aktivitäten des syrischen Militärs konzentrierten sich auf den Vorort Salaheddine, ein Einfallstor nach Aleppo. Der strategisch wichtige Distrikt lag unter Dauerfeuer von Panzern und Artillerie. Das Kappen von Handyverbindungen am Mittwoch und die militärischen Aktivitäten der Armee wurden als Hinweis dafür gesehen, dass ein Großangriff auf Aleppo unmittelbar bevorstand. Dort haben sich mehrere Tausend Rebellen verschanzt.

Während in Aleppo möglicherweise die kriegsentscheidende Schlacht bevorsteht, kam es auch in Damaskus zu Zusammenstößen zwischen den Truppen Assads und seinen Gegnern. Nach Angaben der Aufständischen wurden bei einem Vorstoß der Truppen des Präsidenten mindestens 35 Menschen getötet.