Ukraine

Einhäupl sieht den Fall Timoschenko rein medizinisch

Der Chef der Berliner Charité, Karl Max Einhäupl, sieht die weitere Behandlung der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko als ärztlichen Auftrag.

- "Politische, rechtliche und soziale Bewertungen sind ohne Relevanz", erklärte Einhäupl am Mittwoch in Berlin in einer Mitteilung.

Er war zuvor mit zwei Kollegen des Berliner Universitätsklinikums in Charkow und hatte sich dort mit den Ärzten von Timoschenko getroffen. Auch die Gespräche mit der Gesundheitsministerin Raissa Bogatyrjowa seien kollegial gewesen, so Einhäupl.

Vor seiner Anreise hatte er der Ukraine Fehler vorgeworfen. Die Behandlung von Timoschenkos Bandscheibenvorfall hätte früher als im Mai beginnen sollen, hatte der Mediziner in einer scharf formulierten Erklärung geschrieben. Die therapeutischen Maßnahmen würden auch weiterhin zwischen deutschen und ukrainischen Ärzten eng abgestimmt, so der Charité-Chef. Um die Genesung der 51-Jährigen zu stabilisieren, brauche sie eine achtwöchige stressfreie Therapie.

Ein zweiter Prozess gegen Timoschenko wurde indes auf den 14. August vertagt. Bis dahin soll geprüft werden, ob eine Aussage der Oppositionsführerin via Videoschaltung aus der Klinik möglich ist. Timoschenko drohen wegen angeblicher Veruntreuung zwölf weitere Jahre Haft. Derzeit sitzt sie eine siebenjährige Freiheitsstrafe ab. Sie war wegen Amtsmissbrauchs verurteilt worden.

Unterdessen wurde bekannt, dass Box-Weltmeister Vitali Klitschko (41) für die ukrainische Oppositionspartei Udar als Spitzenkandidat in die Parlamentswahl am 28. Oktober geht. Bei einer Konferenz in der Hauptstadt Kiew stimmten 620 Delegierte für Klitschko, bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen. Der Politiker kündigte der regierenden Partei der Regionen von Präsident Viktor Janukowitsch einen "harten, aber fairen" Wahlkampf an.