Polizei

Verstrickung in den Klan der Kapuzen

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Polizisten aus Baden-Württemberg waren Kollegen des NSU-Opfers Michèle Kiesewetter

- Zwei Polizisten aus Baden-Württemberg hatten Verbindungen zum rassistischen Ku-Klux-Klan (KKK) - und sind trotzdem noch immer im Staatsdienst. Entsprechende Informationen der Zeitung "taz" unter Berufung auf Akten aus dem Bundestag-Untersuchungsausschuss zur Zwickauer Terrorzelle NSU bestätigte ein Sprecher des baden-württembergischen Innenministeriums am Dienstagabend.

Nach Informationen der "taz" waren die beiden Polizisten 2001/2002 Mitglieder bei den "European White Knights of the Ku Klux Klan". Dieser Ableger der US-Rassistenorganisation war laut interner Akten des baden-württembergischen Verfassungsschutzes im Oktober 2000 vom Skinband-Musiker Achim S. alias "Ryan Davis" gegründet worden. Er existierte mit rund 20 Mitgliedern bis etwa Ende 2002. Als Ziel nannte der KKK-Ableger die "Erhaltung der weißen Rasse in einem weißen Europa". Aufgenommen wurde nur, wer eine weiße Hautfarbe und keine jüdischen Vorfahren hatte.

Offenbar waren die beiden Männer Kollegen von Michèle Kiesewetter: Die Polizistin war im April 2007 in Heilbronn während ihres Streifendienstes mit Kopfschüssen getötet worden - mutmaßlich von den beiden Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt aus der rechtsextremen Terrorgruppe NSU. In deren Wohnmobil war auch Kiesewetters Dienstwaffe gefunden worden. Der Ministeriumssprecher äußerte sich aber zu dieser Querverbindung nicht.

Die "Bild"-Zeitung hatte am Montag berichtet, dass ein ehemaliges Mitglied des KKK Kiesewetters damaliger Zugführer gewesen sei und möglicherweise Tipps an die Täter gegeben habe. Bis mindestens 2003 sei er Mitglied im deutschen Klan gewesen. Daraufhin hatte die Bundesanwaltschaft erklärt, sie verfolge keine neue Spur in Richtung des rassistischen Geheimbundes. Der Mord sei nach wie vor ausschließlich dem Neonazi-Terrortrio NSU zuzurechnen. Laut Ministeriumssprecher gab es damals disziplinarrechtliche Konsequenzen gegen die zwei Beamten - sie seien aber nach wie vor im Dienst. Er machte keine Angaben zu der Frage, ob die KKK-Verbindungen der beiden Staatsdiener nicht möglicherweise auf eine verfassungsfeindliche Gesinnung schließen lasse. Auch zur Art der damaligen "Konsequenzen" oder den Diensträngen und Aufgaben der Männer äußerte er sich nicht.

Der militante Geheimbund Ku-Klux-Klan entstand 1866 nach der Abschaffung der Sklaverei in den USA. Der streng hierarchisch organisierte Klan mit ordensähnlichen Ritualen verbreitete mit Brandstiftungen, Auspeitschungen und Fememorden sowie Lynchjustiz Angst und Schrecken. Berüchtigt waren auch die gewalttätigen Aktionen der Männer in ihren weißen Gewändern und den spitzen Kapuzen unter brennenden Kreuzen.

( dpa )