Religion

Beschneidungsdebatte: "Versprochen ist versprochen"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, weist die von Ärzten vorgebrachte These zurück, dass kleine Jungen durch Beschneidungen der Penis-Vorhaut traumatisiert würden.

- "Ich kann die Sorgen um Traumatisierungen beim besten Willen nicht nachvollziehen", sagte Graumann der Berliner Morgenpost. "Beschneidungen bei Jungen werden bei uns seit 4000 Jahren durchgeführt, und ich habe noch nie von einem einzigen Fall gehört, wo jemand als Kind oder später als Mann traumatisiert gewesen wäre oder seinen Eltern vorgeworfen hätte, sie hätten ihn durch die Beschneidung geschädigt. Das ist unsere Erfahrung seit hundert Generationen."

Nachdem das Kölner Landgericht im Mai religiöse Beschneidung als unzulässige Körperverletzung gewertet hatte, war eine Debatte um die Zulässigkeit des religiösen Rituals in Deutschland entbrannt. Die Bundesregierung strebt für Herbst einen Gesetzentwurf zur Zulässigkeit der Beschneidung aus religiösen Gründen an. Was die Regelung der vom Bundestag geforderten Zulassung der Beschneidungen aus religiösen Gründen betrifft, so Graumann, werde der Zentralrat vorläufig keine konkreten Vorschläge für eine Gesetzesformulierung machen. "Es ist nicht unsere Aufgabe, dem Gesetzgeber konkrete Vorschläge für eine gesetzliche Regelung zu machen."

Für den Zentralrat sei wichtig gewesen, dass der Bundestag die Bundesregierung zur Formulierung eines solchen Gesetzes aufgefordert hat. Darüber, so Graumann, habe sich der Zentralrat "sehr gefreut und uns in unserem Anliegen ernst genommen gefühlt". Dieses Signal sei wichtig gewesen. "Was die Details betrifft, so denke ich: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Es gilt: Versprochen ist versprochen", so Graumann.