Dominoeffekt

Rabbiner fürchten weitere Beschneidungsverbote

Nach dem Kölner Beschneidungsurteil sieht die Europäische Rabbinerkonferenz einen "Dominoeffekt" in anderen Ländern.

- Jetzt bestätige sich die Befürchtung, dass die Gerichtsentscheidung europaweite Auswirkungen haben werde, erklärte Pinchas Goldschmidt, Vorsitzender der Rabbinerkonferenz. Goldschmidt bezog sich auf Anordnungen in Schweizer Kliniken und des österreichischen Landeshauptmanns Martin Wallner in Vorarlberg, keine religiösen Beschneidungen an Knaben mehr durchführen zu lassen.

Die Rabbinerkonferenz müsse "die Botschaft aussenden, dass Aktivisten gegen Knabenbeschneidung ihrerseits die Menschenrechte unserer Kinder auf fundamentalste Weise bedrohen", so Goldschmidt. Der Verband werde das Gespräch mit Parlamentariern europaweit suchen, um wie in Deutschland politische Unterstützung zu erhalten. Unterdessen erklärte Wiens Oberrabbiner Chaim Eisenberg, die jüdische Gemeinde sei mit der Regierung im Gespräch und hoffe auf deren Zusage für eine gesetzliche Regelung. Diese könne die Form eines Zusatzes zum "Israelitengesetz" haben. Dessen Novellierung war erst im April vom österreichischen Parlament beschlossen worden. Vor zwei Wochen hatte die Rabbinerkonferenz nach einer eigens anberaumten Zusammenkunft in Berlin ihr Festhalten an der Beschneidung bekräftigt. Alle Juden seien sich einig, dass die 4000-jährige Tradition nicht zur Disposition stehen könne. Die Rabbiner riefen die jüdischen Beschneider und Eltern in Deutschland auf, mit der Tradition fortzufahren, auch ohne eine endgültige juristische Klärung abzuwarten.

Sollte das Kölner Urteil zum Maßstab werden, gebe es für den größten Teil der jüdischen Gemeinden in Deutschland "keine Zukunft", mahnte Goldschmidt nach dem Treffen in Berlin. Die meisten Juden würden in diesem Fall wohl auswandern.