Bundesanwalt

"Entweder Sieg oder Märtyrertum"

Bundesanwalt: Düsseldorfer Zelle wollte Nagelbombe in Menschenmenge zünden

- In Düsseldorf stehen seit Mittwoch vier mutmaßliche Mitglieder der radikal-islamischen al-Qaida vor Gericht, die in Deutschland einen "aufsehenerregenden Terroranschlag" geplant haben sollen. In den Planungen sei die Rede davon gewesen, "einen mit Metallteilen versetzten Sprengstoffkoffer in einer großen Menschenmenge zur Explosion zu bringen", sagte Bundesanwalt Michael Bruns am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht. Nach dem Eintreffen von Polizei und Rettungswagen sollte eine zweite Bombe gezündet werden, sagte der Anklagevertreter. Die Männer im Alter von 21 bis 32 Jahren waren 2011 in Düsseldorf und Bochum festgenommen und im April wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagt worden. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Bei den Angeklagten handelt es sich unter anderem um den Marokkaner Abdeladim El-K. Er hat der Bundesanwaltschaft zufolge während einer Ausbildung in einem Al-Qaida-Lager einen Anschlag vorbereitet. Die Führung der Organisation habe ihn mit dem Aufbau einer Zelle in Deutschland beauftragt. El-K. sei 2010 in ein Ausbildungslager der Gruppe im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gereist, wo er im Umgang mit Schusswaffen sowie in der Herstellung von Sprengstoffen und Zündern unterrichtet worden sei. Er sei im Mai 2010 nach Deutschland gekommen und habe die ihm aus seiner Studienzeit bekannten Mitangeklagten - den Deutsch-Marokkaner Jamil S., den Deutsch-Iraner Amid C. und den Deutschen Halil S. - rekrutiert.

Im April 2010 habe sich El-K. an den später bei einem Drohnenangriff getöteten Al-Qaida-Anführer Scheich Atijatallah al-Libi mit den Worten gewandt: "Unser Scheich, wir halten unserer Versprechen: Entweder Sieg oder Märtyrertum." Die Vorbereitungen liefen. "Und dann werden wir mit dem Schlachten der Hunde der Söhne der Gelben beginnen." Damit seien Europäer gemeint gewesen, sagte Bruns. In Gesprächen sei die Rede davon gewesen, Deutsche und Juden zu töten.

Zum Bau einer Bombe sei es aber nicht mehr gekommen, weil drei der vier Männer im April 2011 und der vierte im Dezember festgenommen wurden, erläuterte Bruns in der Anklageschrift. Zuvor hätten sie versucht, aus Grillanzündern Sprengstoff zu gewinnen. "Die Technik stimmte", erläuterte Bruns. Allerdings hätten die Männer den falschen Grillanzünder verwendet, aus dem sie lediglich Wachs herausgekocht hätten. Der Fall sei so bemerkenswert, weil nachgewiesen werden könne, dass die Anweisungen für einen Anschlag in Deutschland direkt von al-Qaida kamen.

Die vier Angeklagten und ihre Anwälte warfen der Bundesanwaltschaft zum Teil vor, ihre Anklage nicht auf Tatsachen, sondern auf die Interpretation von Beweisstücken zu stützen. Bis Ende November sind fast 30 weitere Verhandlungstage angesetzt.