Umweltminister Peter Altmaier

Der Kommunikator

Peter Altmeier hat hat frischen Wind ins Umweltministerium gebracht - und trägt das durch geschicktes Auftreten nach außen

- Im Bus nach Berlin, zurück von seinem Antrittsbesuch in Sachsen-Anhalts Staatskanzlei in Magdeburg, wird Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) nach seinem politischen Vorbild gefragt. Er überlegt nicht lange. "Bismarck fasziniert mich", sagt er. Größer geht es kaum. Altmaier schwärmt von der Intellektualität Bismarcks und dessen unkonventionellem Politikstil. Die erste Biografie, so erzählt er, habe er noch in der Schule gelesen. Bismarck, sagt er, sei der erste deutsche Polit1iker gewesen, der einen Pressesprecher engagiert habe. Moritz Busch hieß er, war Doktor der Philosophie und ein erfahrener Reporter, "der seine Fehler und Schwächen ehrlich eingestand und damit Vertrauen erweckte", wie spätere Biografen schreiben. Busch war ein Veteran der 1848er Revolution und begleitete Bismarck während des Deutsch-Französischen Kriegs. Sie waren ein eingespieltes Team. Altmaier gibt sich beeindruckt.

Gefühlter Schwung

Nicht wenig ist in den vergangenen Wochen über seinen Stil geschrieben worden. Ein Stil, der ihn von seinem Vorgänger Norbert Röttgen unterscheidet und der Schwung in die verfahrene Energiewende gebracht hat - zumindest gefühlt. Es wurde geschrieben über den Kommunikator, den Gesellschaftsmenschen Altmaier, den Netzwerker und Hobbykoch mit großem Tisch, der zwar eckig ist, aber als runder Tisch der Regierungskoalition fungiert. Übersehen wurde etwas, das die Episode im Bus offenbart. Peter Altmaier ist kaum denkbar ohne seinen Pressesprecher Dominik Geißler.

Geißler? Schon mal gehört. Er ist ein Sohn des ehemaligen CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler, ein promovierter Slawist, gelernter Musikwissenschaftler und Journalist. Er hat in Russland gelebt und im Unterschied zu Altmaier Familie, die er derzeit wohl fast genauso selten sieht wie der Minister seine Wohnung. Geißlers abwechslungsreiche Vita macht ihn interessant für einen wie Altmaier, der dem ständigen Austausch über das Wahre, Edle, Schmackhafte nicht abgeneigt ist.

Beide sind seit Langem ein Team. Der Minister hat ihn aus der Unionsfraktion, wo er als stellvertretender Sprecher für den Parlamentarischen Geschäftsführer Peter Altmaier zuständig war, mit ins Ministerium genommen. Geißler ist ein selbstständiger Kopf und bestärkt Altmaier darin, dass es richtig ist, in Interviews die Versäumnisse des eigenen politischen Lagers einzuräumen, manchmal mit drastischen Worten. Bei denen, die zuhören, kommt das an. Altmaier hält es so auch im Umgang mit Mitarbeitern und Beteiligten an der Energiewende. Wirtschaft, Umweltverbände, Wissenschaftler und die Mitarbeiter in seinem Ministerium fordert er auf, ihm zu widersprechen: "Ich erwarte Argumente, über die man streiten kann."

Das ist sein besonderer Politikstil: zu reden, zu diskutieren, Kompromisse zu suchen, und das - wenn nötig - immer wieder. So hat Altmaier im Bundesrat schnell eine Mehrheit für die umstrittene Solarförderung organisiert, an der sein Vorgänger gescheitert war. Norbert Röttgen war bei der entscheidenden Sitzung im Rat nicht einmal anwesend. Er war als Umweltminister als Solitär unterwegs. Für seine Ankündigung im Februar 2010, die Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke maximal um zehn Jahre zu verlängern, hatte er in Partei und Fraktion keine Unterstützung und stieß stattdessen auf erbarmungslose Gegenwehr für seinen Vorschlag.

So etwas würde Altmaier nie passieren. Provoziert er Kollegen, dann geschieht das mit Rückendeckung durch die Kanzlerin. So vor einer guten Woche, als er öffentlich erklärte, dass man bei der Energiewende nicht im Zeitplan sei, weil man bei der Energieeffizienz klarere Vorgaben brauche und mit weniger Elektroautos kalkulieren müsse. Beides liegt nicht in seiner Verantwortung, der Stromverbrauch ist bei Wirtschaftsminister Philipp Rösler ((FDP) angesiedelt, um die Elektroautos muss sich Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kümmern. Da passt es, dass allein der Ausbau von Sonne, Wind, Wasser und Biomasse im Zeitplan liegt - Altmaiers Terrain. Geschickter lassen sich Tadel und Eigenlob kaum verpacken.

Zur Methode Altmaier gehört neben vertrauensvollem Teamplay und offenherzigem Netzwerken eben auch, sich ein Stück weit schadlos zu halten. Seine Ehrlichkeit ist entwaffnend, sie entwaffnet aber vornehmlich andere. Als Umweltminister müsse er "Klartext" reden, sagt Altmaier. Er wolle sich "ehrlich machen". Altmaier versteht es geschickt, eigene Schwäche in Stärke zu verwandeln. Im Politischen und im Privaten. Etwa wenn es um die Frage geht, warum er allein lebt. Die hält er bewusst offen. Der liebe Gott habe es gefügt, dass er allein durchs Leben gehe, sagte er kürzlich.

Vager geht's kaum. Doch so entspann sich medial eine Debatte, ob sich Altmaier - wenn nötig - outen müsse. Chefredakteure kassierten Texte ihrer Autoren wie bei der "taz", Altmaier jedenfalls blieb im Gespräch. Ein klares Wort in der Sache ist nicht zu erwarten. Da würden ihn dann alle möglichen Leute vereinnahmen. Zu seiner "Runder-Tisch-Politik" passt das nicht.

Bismarcks Mahnung

Und sein Gewichtsproblem? Im Bus schwärmt der Umweltminister kurz vor der Ankunft in Magdeburg von jener Wachsrolle aus Edisons Werkstatt, die die Stimme des alten Reichskanzlers dokumentiert. Wie oft er sie sich schon angehört hat, das will er nicht verraten. Sicher etliche Male. Allerhand sprach Bismarck damals in den Trichter. Gedichte, Hymnen, Studentenlieder - und eine Mahnung: "Treibe alles in Maßen und Sittlichkeit, namentlich das Arbeiten, dann aber auch das Essen und im Übrigen gerade auch das Trinken."