Medizin

Pakistan: Taliban verbieten Polio-Impfung

In weiten Teilen Pakistans untersagen radikal-islamische Taliban den Menschen, ihre Kinder gegen Kinderlähmung schützen zu lassen.

- Fast überall auf der Welt gilt Polio als ausgerottet. Nur aus Nigeria, Afghanistan und Pakistan werden noch regelmäßig Fälle gemeldet. Ausgerechnet in den Stammesgebieten im Nordwesten Pakistans kündigten die Islamisten nun ein Polioimpfverbot an - aus Protest gegen US-Drohnenangriffe. In der Region geben die Taliban mit ihren Verbindungen zur Terrororganisation al-Qaida den Ton an. Hinter impfenden Helfern vermuten sie westliche Spione.

"Im Gewand von Impfkampagnen operieren die Spionageringe der USA und ihrer Verbündeten", behaupten Taliban-Führer. "Sie haben Tod und Vernichtung in Form der Drohnenangriffe gebracht."

Seit Jahren stellen Islamisten diese Behauptungen auf. Die Tötung von Al-Qaida-Chef Osama Bin Laden 2011 war dazu Wasser auf ihre Mühlen. Im Rahmen einer vorgetäuschten Poliovorsorge in Bin Ladens Versteck Abbottabad soll ein pakistanischer Arzt den Amerikanern geholfen haben, an DNA-Proben zu kommen. Im Mai wurde der Arzt Shakeel Afridi zu 33 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Weltgesundheitsorganisation bestreitet, dass er eine Polioaktion durchgeführt hat.

Die pakistanische Regierung versucht bislang erfolglos, die Stammesältesten davon zu überzeugen, dass Impfungen und Drohnen in keinem Zusammenhang stehen. Das Impfungsverbot gefährde Hunderttausende Kinder, warnen die Gesundheitsbehörden. Sie sind allerdings machtlos. "Mehr als 200.000 Kinder sind ohne Impfstoff", sagt Mazhar Nisar von der Poliobeobachtungsstelle der Regierung. "Das macht die Kinder verwundbar." Polioinfektionen können zu schweren dauerhaften Lähmungen oder gar zum Tod führen. Die Impfverbote sind ein herber Rückschlag in Pakistans Kampf gegen das Virus. Im Jahr 2011 wurden 198 Fälle gemeldet. In diesem Jahr waren es zwar erst 23, doch ein Impfverbot könnte diesen Fortschritt schnell wieder rückgängig machen. Elf der diesjährigen Erkrankungen seien aus den relativ dünn besiedelten Stammesgebieten gemeldet worden.