Gesundheit

Geschenke für dicke Kinder

Die Koalition arbeitet an Präventionsstrategie. Die FDP will zum Abnehmen motivieren

- Die Geschichte von Moby Dick handelt, kurz gesagt, vom Kampf zwischen einem Pottwal und Kapitän Ahab, der durch den Wal ein Bein verlor und deshalb Jagd auf ihn macht. Und auch wenn der Name des Wals gar nichts mit seiner enormen Größe zu tun hat, so eignet sich "Moby Dick" im Deutschen für doppeldeutige Bezeichnungen. Ein Netzwerk von Beratungsstellen, das ein Gesundheitsprogramm für übergewichtige Kinder anbietet, hat sich bewusst für diesen Namen entschieden. "Der Wal hat den Kampf gewonnen", sagt Moby-Dick-Sprecher Gernot Schmahlfeldt. "Für Kinder, die normalgewichtig werden wollen, ist das eine wichtige Bestätigung."

Mit Sport, Ernährungstipps und gemeinsamem Kochen versuchen die Berater bei Moby Dick zu helfen. Etwa 300 Kinder und Jugendliche nehmen bundesweit an den Kursen teil, sie treffen sich einmal die Woche in einer festen Gruppe. Die Gebühren, die der private Verein verlangt, werden in der Regel zu 80 Prozent von den Krankenkassen bezahlt. Über die Notwendigkeit der Beratung besteht kein Zweifel. "Die Zahl der übergewichtigen Kinder ist katastrophal angestiegen", sagt Schmahlfeldt.

1,9 Millionen Fälle bundesweit

Eine Studie des Robert-Koch-Instituts über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zeigt, dass 15 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen übergewichtig sind. Gut sechs Prozent davon leiden bereits an Adipositas, also an besonders heftigem Übergewicht. Dies entspricht etwa 1,9 Millionen übergewichtigen Kindern und Jugendlichen bundesweit. Viele von ihnen leiden nicht zuletzt deshalb schon in jungen Jahren unter Diabetes vom Typ 2, dem sogenannten Altersdiabetes. Er ist meistens auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen.

"Wir müssen etwas dagegen unternehmen, dass es immer mehr Kinder mit Diabetes Typ 2 gibt", sagt der FDP-Gesundheitspolitiker Erwin Lotter der Berliner Morgenpost. Als Gegenmaßnahme will Lotter den Kindern Anreize setzen. "Wenn sich Kinder und Eltern vom Arzt beraten lassen und das Gewicht binnen eines halben Jahres sinkt oder mindestens gleich bleibt, gibt es eine Belohnung", schlägt Lotter vor. Dies könne ein Fahrradhelm, eine Schultasche oder die Mitgliedschaft in einem Sportverein sein, auf jeden Fall kein Bargeld.

Maßstab für den Erfolg solle der Body-Mass-Index (BMI) sein, schlägt Lotter vor. Das Geschenk gebe es, wenn die BMI-Formel aus Gewicht und Körpergröße sich beispielsweise nach einem halben Jahr dem Idealwert annähert oder sich zumindest nicht verschlechtert. Bezahlt werden sollen die Geschenke von den Krankenkassen. "Wenn man weiß, was die Behandlung von Diabetes kostet, dann sollten die Krankenkassen ein gesteigertes Interesse daran haben, sich an solchen Vorsorgeprogrammen zu beteiligen", sagt Lotter.

Der Abgeordnete, der selbst Arzt ist, arbeitet innerhalb der FDP-Bundestagsfraktion an der Präventionsstrategie, die die Liberalen im Herbst präsentieren wollen. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat bereits angekündigt, dass einer der Schwerpunkte dieses Vorsorgeprogramms die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sein soll. Jüngst hatte der Minister auch die Einführung weiterer vorbeugender Untersuchungen in den Schulen angekündigt. Ob gezielte Belohnungen allerdings sinnvoll sind, ist unter Experten umstritten.