Grüne

Es kann nur eine an der Spitze geben

Katrin Göring-Eckardt und Claudia Roth wollen wohl für die Bundestagswahl antreten

- Die Stimmung bei den Grünen ist im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 angespannt. Nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" stritten bei einer Vorstandssitzung lautstark Parteichefin Claudia Roth und Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke. Roth will als technischen Wahlkampfleiter einen früheren Mitarbeiter ihres Büros, Lemke hatte einen anderen Kandidaten. Als sich Cem Özdemir auf Roths Seite schlug, soll Lemke indirekt mit Rücktritt gedroht haben: "Das hat Konsequenzen."

Vergleichsweise leise geht es in einer anderen Kontroverse zu. Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt wird als Realo für die Parteispitze gehandelt, als Konkurrentin der linken Claudia Roth. Immer wieder wurde Göring-Eckardt gefragt - sie schweigt. Doch so ganz ohne Dementi lässt ihr Schweigen nur den Schluss zu: Sie ist bereit. Spitzenpolitiker ihres Realo-Flügels werben für sie. Immer wahrscheinlicher wird deshalb eine Richtungsentscheidung zwischen Göring-Eckardt und Roth.

Diese Entscheidung müssten die Parteimitglieder in einer Urwahl treffen. Denn die Grünen haben verabredet, dass sie mit einem Duo in die Wahl 2013 gehen wollen, und ein Platz dürfte Fraktionschef Jürgen Trittin zufallen. Göring-Eckardts Schweigen hat drei Gründe: Sie ist sich ihres Rückhalts noch nicht sicher und will abwarten. Sie scheut sich zudem, durch offensives Antreten die andere denkbare Realo-Spitzenfrau zu düpieren, Fraktionschefin Renate Künast. Würde Göring-Eckardt ihren Anspruch bekunden, wäre dies Künasts Demontage. Schließlich hat das Schweigen mit politischem Stil zu tun: Mit einem offenen Wort würde sie jene ausgleichende Rolle aufgeben, die sie als Bundestagsvizepräsidentin und Synodenpräses der evangelischen Kirche spielt.

Aber die Zurückhaltung beim offenen Wort ist auch eine Schwäche: Abgesehen von ihren Interventionen gegen Sterbehilfe oder Embryonenforschung ist Göring-Eckardt kaum durch streitbare Ansagen aufgefallen. Ist sie also streitlustig genug für den Wahlkampf und den innerparteilichen Diskurs? Andererseits kommt die Ausgleichspolitik des Winfried Kretschmann bei den Realos gut an, sodass viele von ihnen glauben, eine wenig polarisierende Politikerin sei auch im Bund die richtige. Wem auch immer die Partei ihr Votum gibt - es wird eine Richtungsentscheidung, die eine Wählergruppe enttäuscht: die Linke oder die Realos. Die Grünen werden wohl entscheiden müssen, welche Klientel ihnen wichtiger ist.