Personalien

Juncker bleibt vorerst Chef der Euro-Gruppe

Verlängerung für den erfahrenen Luxemburger. Streit über Nachfolge aber nur aufgeschoben

- Nationale Ansprüche und die komplizierte europäische Machtstatik haben über Monate eine Einigung der Euro-Länder in wichtigen Personalfragen verhindert. Nun beschlossen die Euro-Finanzminister gleich die Besetzung von drei Ämtern. Allerdings wird die Diskussion über den Vorsitz der Euro-Gruppe in den kommenden Monaten weitergehen.

Unter "den Punkten von geringerer Bedeutung" verkündete Euro-Gruppen-Präsident Jean-Claude Juncker mit der ihm eigenen Ironie am frühen Dienstagmorgen seine Wiederwahl. Eigentlich zeigte der 57-Jährige, zuletzt von Nierensteinen geplagt, deutliche Zeichen von Amtsmüdigkeit und wollte den arbeitsreichen Posten aufgeben, um sich ganz seinem Amt als Ministerpräsident von Luxemburg zu widmen. Doch der lange als Nachfolger hoch gehandelte deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) stieß bei der neuen französischen Regierung auf Widerstand. Also übernimmt Juncker den Posten noch einmal - aber nur für etwa ein halbes Jahr.

Bis Jahresende müssen sich die Euro-Länder auf einen Nachfolger einigen. Zunächst können sie sich aber noch auf die Erfahrung Junckers verlassen. Der in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsene Luxemburger hat den Posten des Euro-Gruppen-Präsidenten inne, seit das Amt im Jahr 2005 geschaffen wurde. Europa gilt Juncker als Herzensangelegenheit. "Wenn es unserer Generation nicht gelingt, die europäische Einigung unumkehrbar zu machen, dann werden diejenigen, die in 20 oder 30 Jahren nicht mehr wissen, wer Hitler und Stalin war, nicht mehr die Kraft dafür finden", warnte er einmal vor den Gefahren der Krise.

Klaus Regling ist als Chef des Euro-Rettungsschirms EFSF der Kassenwart der milliardenschweren Hilfsprogramme für angeschlagene Euro-Länder. Diese Aufgabe erledigt der gebürtige Lübecker seit Mai 2010 und hat sich damit für die Leitung des künftigen dauerhaften Euro-Rettungsfonds ESM qualifiziert. Der Ökonomen startete seine Karriere 1975 beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, bevor er für das Bundesfinanzministerium, einen internationalen Hedgefonds und schließlich als Generaldirektor für Wirtschaft und Finanzen bei der EU-Kommission arbeitete. Mit der Leitung des ESM kommt auf Regling noch mehr Verantwortung zu - für mehr Mitarbeiter, mehr Geld und die gelungene Abwicklung der wachsenden Aufgaben des Euro-Rettungsfonds. Dafür wird der Finanzexperte gut bezahlt: Mit einem Grundgehalt von 324.000 Euro brutto jährlich soll er mehr verdienen als die Bundeskanzlerin. Allerdings ist unklar, wann Regling seine Stelle antreten kann.

In den Verhandlungen über die Vergabe des Postens in der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) unterstützte Deutschland die Berufung des Luxemburgers Yves Mersch. Der 62-Jährige sieht die Hauptaufgabe der EZB darin, eine Inflation zu vermeiden. Mersch soll nun den Spanier José Manuel González-Páramo im EZB-Direktorium ersetzen und den sechsten Sitz des Gremiums einnehmen, der wegen der anhaltenden Personalstreitigkeiten seit Ende Mai nicht mehr besetzt war. Mersch studierte Jura an der Pariser Universität Sorbonne.