Prozess

Verteidigung fordert Freispruch für Verena Becker

Im Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker wegen des Mordes an Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 hat die Verteidigung Freispruch gefordert.

- "Wir beantragen, Frau Becker freizusprechen", sagte Beckers Anwalt Walter Venedey am Dienstag in seinem Plädoyer vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht. Massive Kritik übten die Verteidiger am Nebenkläger, dem Sohn des getöteten Generalbundesanwalts.

Der Prozess lasse "keinen Raum mehr für die Tatsachenbehauptung", dass Becker Mitglied des RAF-Kommandos gewesen sei, das Buback und dessen zwei Begleiter erschossen hatte, sagte Venedey. Auch habe die Beweisaufnahme in dem Verfahren "keine Grundlage ergeben, die eine Verurteilung der Angeklagten darstellen könnte". Weder komme eine Bestrafung wegen Mittäterschaft noch wegen Beihilfe zum Mord in Frage.

Deutlich kritisierten Beckers Anwälte vor allem Nebenkläger Michael Buback, den Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts. Dieser geht davon aus, dass Becker unmittelbare Mittäterin war, das Bundesamt für Verfassungsschutz aber seine "schützende Hand" über sie hält, weil sie für den Geheimdienst arbeitete. Buback, der nicht bei Gericht erschienen war, habe vor allem mittels dubioser Zeugen "den Weg der Flucht aus der Realität angetreten", führte Venedey aus. "Dem Nebenkläger ist es nicht mehr möglich wahrzunehmen, dass seine Argumente der kritischen Probe der Hauptverhandlung nicht standgehalten haben." Auch an der Glaubwürdigkeit einer Zeugin, die 1977 ausgesagt hatte, Becker einen Tag vor der Tat in Karlsruhe gesehen zu haben, gebe es Zweifel, sagte Beckers zweiter Verteidiger, Hans Wolfgang Euler. Die Angeklagte selbst äußerte sich nicht mehr zu den Vorwürfen. "Vielen Dank", war alles, was Becker in ihrem Schlusswort vor Gericht sagte. Das Urteil soll nun am 6. Juli verkündet werden.