Baghdadi al-Mahmudi

Tunesien: Streit über Auslieferung des libyschen Ex-Premiers

Der tunesische Präsident hat die Auslieferung des früheren libyschen Regierungschefs Baghdadi al-Mahmudi an sein Heimatland als "illegal" kritisiert.

- Die Präsidentschaft lehne die Entscheidung der tunesischen Regierung ab, da sie einseitig und ohne Abstimmung mit Staatschef Moncef Marzouki erfolgt sei, hieß es in einer Erklärung des Sprechers des Präsidenten. Die von der Regierung unterzeichnete Auslieferung al-Mahmudis sei eine "klare Verletzung unserer internationalen Verpflichtungen sowie gegenüber den UN".

Ein Sprecher des tunesischen Regierungschefs Hamadi Jebali hatte zuvor gesagt, al-Mahmudi sei am Morgen an Libyen ausgeliefert worden. Dort wurde er umgehend inhaftiert. Ein Berater Marzoukis warnte vor einer "schweren Krise" zwischen Regierung und Präsident.

Ein Gericht in Tunis hatte dem Auslieferungsgesuch der libyschen Führung im November stattgegeben. Al-Mahmudi war Ende September geflohen und an der tunesisch-algerischen Grenze festgenommen und zu sechs Monaten Haft wegen illegalen Grenzübertritts verurteilt worden. Ein Berufungsgericht sprach ihn aber wenige Tage später frei. Menschenrechtsvertreter hatten Tunis aufgefordert, al-Mahmudi wegen Foltergefahr nicht an sein Heimatland auszuliefern.

Der Sprecher des Präsidenten erklärte dazu, er mache die tunesische Regierung für alles verantwortlich, was nun nach dessen Auslieferung mit al-Mahmudi geschehe. Der Ex-Regierungschef fürchtet nach Angaben seines Anwalts in seinem Heimatland als früherer enger Vertrauter des getöteten Machthabers Muammar al-Gaddafi um sein Leben.