Moderne Kommunikation

Entspannt trotz digitalen Stresses

Der moderne Mensch ist immer und überall erreichbar - darauf reagieren die Deutschen laut einer Umfrage relaxt

- Sie klingeln und summen, sie blinken, piepsen und vibrieren, jederzeit und an jedem Ort. Mit Handy und Smartphone sind die Menschen heute überall erreichbar, am Feierabend und am Wochenende, in der Bahn, im Freibad und auf dem Sofa. Auf dem Spielplatz schnell noch eine SMS des Chefs beantworten, im Restaurant nachschauen, wer denn da um zehn Uhr abends noch eine dringende Mail schickt und was sich so auf Facebook tut. Das Aus- und Abschalten fällt immer schwerer, die Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit verschwimmen. Das ist digitaler Stress.

Arbeitspsychologen, Krankenkassen und Gewerkschaften warnen: Dieser Dauerstress macht krank. Sie verweisen auf den dramatischen Anstieg der Krankheitstage wegen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz. Erste Firmen reagieren bereits und führen Regeln für die Erreichbarkeit ihrer Mitarbeiter ein. Auch die Politik ist alarmiert: Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) fordert von den Unternehmen "glasklare Regeln", zu welchen Uhrzeiten die Mitarbeiter erreichbar sein müssen. Die Technik sei kein Problem für die Gesundheit, stellt die Ministerin klar, "wir müssen nur lernen, vernünftig damit umzugehen".

Und da scheinen die Deutschen bereits weiter, als so mancher fürsorgende Wissenschaftler oder Politiker vermutet. Das Meinungsforschungsinstitut Infratest Dimap befragte 1000 Personen, wie sie mit der Datenflut umgehen. Überraschendes Ergebnis: 44 Prozent der Befragten sehen in den neuen Kommunikationsmöglichkeiten vor allem eine Bereicherung des Lebens. Nur 35 Prozent gaben an, E-Mail, Handy und Co. sorgten für mehr Stress. 16 Prozent fühlten sich gar nicht betroffen, sie nutzen die neuen Möglichkeiten gar nicht.

Vor allem die Jüngeren sehen Internet und Handy als Bereicherung, bei den 18- bis 29-Jährigen sind es zwei Drittel. Auch bei den höher Gebildeten begrüßt die Mehrheit (53 Prozent) die neuen Kommunikationsmöglichkeiten. Dabei erhält und liest jeder dritte Berufstätige der Umfrage zufolge zumindest gelegentlich dienstliche E-Mails, bei den höher Gebildeten ist es schon jeder Zweite. Und jeder fünfte Berufstätige widmet sich sogar oft und sehr oft in seiner Freizeit der elektronischen Post. Gestresst sind davon aber die wenigsten: Nur jeder Fünfte, der in seiner Freizeit dienstliche Mails bekommt, fühlt sich davon gestört.

Die großen Konzerne haben längst reagiert. Beispiel Deutsche Telekom: Obwohl der Konzern sein Geld mit Kommunikation verdient, setzt er der Kommunikation innerhalb der Firma Grenzen. Seit 2010 gilt eine Selbstverpflichtung, darin heißt es: "Außerhalb der Arbeitszeit wird grundsätzlich nicht erwartet, dass mobile Arbeitsmittel dienstlich benutzt werden." Der Konzern gehe davon aus, dass im Urlaub auf Anrufe, Lesen und Bearbeiten von beruflichen E-Mails verzichtet wird.