Salafisten

Friedrich sieht keine höhere Anschlagsgefahr nach Razzien

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) rechnet nach den Razzien der Sicherheitsbehörden gegen Salafisten nicht mit einer erhöhten Anschlagsgefahr in Deutschland.

- Es gebe zwar immer eine potenzielle Gefahr durch Aktionen Einzelner, aber konkrete Anschlagspläne sehe er nicht, sagte Friedrich am Freitag dem Radiosender WDR 5. Am Donnerstag waren bundesweit Hunderte Ermittler bei groß angelegten Razzien gegen radikal-islamische Salafisten vorgegangen. Die Durchsuchungen wurden während der laufenden Aktion noch ausgeweitet - am Donnerstagabend rückten Beamte auch in Hamburg und Schleswig-Holstein erneut an. Ursprünglich seien 71 Durchsuchungen angeordnet gewesen, erklärte Friedrich. Es hätten sich dann aber neue Hinweise ergeben, sodass schließlich 29 weitere Objekte einbezogen wurden. Insgesamt seien am Donnerstag damit bundesweit 100 Orte durchsucht worden. "Wir haben eine ganze Vielzahl von Asservaten jetzt zusammengesammelt, das muss jetzt sorgfältig ausgewertet werden", sagte Friedrich.

So waren am Abend in Hamburg auf Anordnung des Bundesinnenministeriums noch zwölf Privatwohnungen durchsucht worden. In Schleswig-Holstein wurden sechs Objekte durchforstet. Offensichtlich seien die Bewohner dem Verein Millatu Ibrahim in Solingen (Nordrhein-Westfalen) zuzurechnen, den das Bundesinnenministerium als verfassungswidrig verboten hat. Ihnen seien Verbotsverfügungen ausgehändigt worden, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts in Kiel. Die Ermittler stellten Datenträger wie Computer, Laptops und Sticks sicher.

Über die Möglichkeit, dass Salafisten nun verstärkt im Untergrund weiterarbeiten könnten, sagte Minister Friedrich, dass ein Verbot keine endgültige Lösung sein könne. Die Auseinandersetzung müsse auch auf geistiger Ebene stattfinden. "Man muss dafür sorgen, dass die abstrusen Ideen der Salafisten keine Verbreitung finden", sagte er im Deutschlandfunk. Dennoch seien die Salafisten empfindlich getroffen: "Man ist in der Lage, die Organisation aufzulösen, die Strukturen zu zerschlagen, man kann das Vermögen einziehen", sagte Friedrich.

( dpa/AFP )