Jahrestag

Linke ignoriert den Aufstand vom 17. Juni

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Die Partei feiert am Jahrestag ein Fest und lässt den Protest in der DDR unerwähnt

- Das "Fest der Linken", das die Bundestagsfraktion der Linkspartei seit Freitagabend in der Kulturbrauerei veranstaltet, sorgt für Kritik. Patrick Kurth, FDP-Bundestagsabgeordneter, hat die neuen Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger aufgefordert, das Fest abzusagen. Denn es findet just am Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR vor 59 Jahren statt. Diese Forderung hat Bodo Ramelow, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im thüringischen Landtag, mit sehr aggressiven Worten gegen Kurth zurückgewiesen: "Ich denke, dass Sie nur versuchen wollen, mit diesem Klamauk billiges politisches Kapital aus den tatsächlich tragischen Ereignissen des 17. Juni zu ziehen."

Zwar beweist die Linkspartei Geschichtsbewusstsein bei ihrem Fest - allerdings nur, indem sie an die "Blockade" des kommunistischen Kuba 1962 erinnert. Der Protest von Arbeitern erst in Ost-Berlin, dann in Hunderten Gemeinden in der ganzen DDR, der am Nachmittag des 17. Juni 1953 von Panzern niedergewalzt wurde, soll laut Programm dagegen kein Thema auf dem "Fest der Linken" sein.

Der Aufstand wurde von der SED als "konterrevolutionärer und faschistischer Putsch" dargestellt, der aus dem Westen gesteuert worden sei. In Wirklichkeit ging die Protestwelle von Bauarbeitern des Prestigeprojektes Stalinallee aus. Am 15. Juni 1953 kam es zu spontanen Arbeitsniederlegungen und einen Tag später zur ersten großen Protestdemonstration seit Gründung der DDR vor deren Regierungssitz, dem ehemaligen Luftfahrt- und heutigen Finanzministerium. Das Politbüro der SED flüchtete sich in den Schutz der Roten Armee, die am folgenden Morgen den Befehl zur Niederschlagung des Aufstandes aus Moskau bekam. Mindestens 55 Tote und mehr als 1600 teilweise zu langen Strafen verurteilte DDR-Bürger wurden Opfer ihres brutalen Durchgreifens.

Während die Linkspartei die Auseinandersetzung mit diesem Teil ihrer eigenen SED-Vergangenheit verweigert, werden Politiker und Opferverbände am 17. Juni an den gescheiterten Volksaufstand erinnern. Die zentrale Gedenkfeier findet auf dem Urnenfriedhof in Wedding statt. Die Bundesregierung gedenkt der Opfer um 11 Uhr am Finanzministerium in Mitte. Zur selben Zeit wird auf dem "Fest der Linken" das Swing Dance Orchester von Andrej Hermlin aufspielen.

( sfk )