Konflikt

Friedrich reist zur EM in die Ukraine

Timoschenko-Tochter sucht Hilfe bei deutschen Justizministern

- Nach scharfem Protest gegen die Regierung in Kiew sind Mitglieder des Bundeskabinetts nun offener für einen Besuch der Fußball-EM in der Ukraine. Der für Sport zuständige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will nach der Vorrunde alle deutschen Spiele bei der Fußball-EM besuchen - auch in der Ukraine. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) ließ einen Besuch in dortigen Stadien offen. "Ich würde Sie über etwaige Reisepläne informieren, wenn die Lage da ist", sagte er.

Entzündet hatte sich der Protest an der Inhaftierung der Oppositionellen Julia Timoschenko. Die Ex-Regierungschefin ist selbst nicht unumstritten. Friedrich sagte nun der "Leipziger Volkszeitung": "Jetzt steht der Fußball und die Europameisterschaft im Vordergrund." Stadionbesuche in der Ukraine nach der Vorrunde setzten voraus, dass sich die deutsche Mannschaft für die nächste Runde qualifiziere. Erst im Halbfinale und im Finale könnte die DFB-Elf in der Ukraine spielen. Von einem Besuch bei inhaftierten Oppositionellen war bei Friedrich keine Rede. Westerwelle sagte, bei aller EM-Euphorie bestehe die Regierung auf einer angemessenen medizinischen Behandlung Timoschenkos.

Unterdessen wirbt Jewgenija Timoschenko, die Tochter der kranken Inhaftierten, im Ausland um Solidarität mit ihrer Mutter. Vor dem Spiel der deutschen Mannschaft gegen die Niederländer am Mittwochabend in Charkow traf sie sich mit den Justizministern von Bund und Ländern in Wiesbaden. Der "Bild"-Zeitung sagte sie: "Die Fans sollten nicht vergessen, dass sie in einem Staat Fußballspiele schauen, der politische Gegner wie meine Mutter unter brutalen Bedingungen inhaftiert." Die Fans sollten das Spiel nutzen, Freiheit für alle politischen Gefangenen zu fordern. Die grünen Europaabgeordneten Rebecca Harms und Werner Schulz wollten vor dem Spiel Timoschenko im Krankenhaus in Charkow besuchen, wo sie unter anderem von Berliner Ärzten behandelt wird. Sie mussten den Besuch absagen, weil ihr Flugzeug von einem Blitz getroffen wurde. Schulz forderte mehr Engagement im Fall Timoschenko. "Die EM ist von der Politik nicht zu trennen, weil schon die Vergabe des Turniers politisch war."