Wahlen

Dallas im Elysée

Valérie Trierweiler twittert François Hollande in seine erste Krise

- Auch 24 Stunden nach der Twitter-Bombe, die Valérie Trierweiler am Dienstag gezündet hatte, hat sich das politische Frankreich von den 140 Buchstaben noch nicht erholt, mit dem die Lebensgefährtin des neuen Präsidenten François Hollande diesem die erste Krise seiner Amtszeit beschert hat. Trierweiler hatte in einer Kurznachricht im Internet dem sozialistischen Parteirebellen Olivier Falorni ihre Unterstützung zugesichert - und der fordert in der Stichwahl in seinem Wahlkreis in La Rochelle ausgerechnet Hollandes ehemalige Lebensgefährtin Ségolène Royal heraus.

Während François Hollande erklärte, er unterstütze Ségolène Royal, und die Parteivorsitzende Martine Aubry sowie die Grünen-Chefin Cécile Duflot nach La Rochelle reisten, um die Präsidentschaftskandidatin von 2007 im Wahlkampf zu unterstützen, twitterte Trierweiler fröhlich, Falorni habe den Sieg verdient, denn seit Jahren setze er sich selbstlos für die Belange der Rocheller ein.

Wer wollte, konnte da herauslesen, dass Trierweiler Royal, die den als sicher geltenden Wahlkreis von der Parteispitze zugeteilt bekam, weder für selbstlos hält noch findet, dass ihre Rivalin einen Platz im Parlament verdient habe. Das Verhältnis der beiden Frauen im Leben ist gelinde formuliert angespannt, seit Hollande die Mutter seiner vier Kinder 2007 für die Paris-Match-Journalistin verließ. Im Wahlkampf hat Royal ihren ehemaligen Partner dennoch loyal unterstützt, auch deshalb setzt dieser sich nun offiziell für sie ein. Royal würde für das Amt der Parlamentspräsidentin kandidieren, wenn sie den Einzug in die Assemblé Nationale schafft. Das könnte nun aber schwierig werden, auch weil zahlreiche konservative Wähler in La Rochelle Falorni unterstützen wollen, um Royal zu schaden. Die UMP-Kandidatin in dem Wahlkreis ist bereits ausgeschieden. In Paris fragt man sich nun, ob die Journalistin Trierweiler wirklich so naiv sein kann zu glauben, sie könnte als Privatperson eine Meinung äußern, ohne dass diese eine politische Wirkung entfalte. Zuletzt hatte die 47-Jährige erklärt, sie lehne eine rein repräsentative Rolle als "première dame" ab und wolle weiterhin selbstständig für ihren Lebensunterhalt sorgen. Ihren Drang nach Unabhängigkeit hat sie nun eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Im Raum bleibt die Frage, ob François Hollande - der sich zu dem Vorfall nicht äußern wollte - hier verdeckt über Bande spielt. Sollte dem so sein, ist dies deutlich missglückt. Vier Tage vor der entscheidenden Wahlrunde freut sich die Opposition über Dallas im Elysée.