Landespolitik

Torsten Albig schaltet in Kiel die Dänen-Ampel an

Geschichte wiederholt sich doch nicht: SPD-Politiker Torsten Albig ist seit Dienstag neuer Ministerpräsident in Kiel.

- Die Demütigung, die Heide Simonis vor sieben Jahren erlitt, bleibt dem 49-Jährigen erspart. 37 Abgeordnete stimmten für ihn, zwei "über den Durst": Die Küstenkoalition aus SPD, Grünen und SSW hat nur 35 der 69 Mandate. Nun will die "Dänen-Ampel" das Land fünf Jahre lang regieren, nachdem es zuletzt - 2009 und am 6. Mai - zwei vorgezogene Wahlen gab.

Strahlend nahm Albig das Ergebnis auf; Umarmungen, Küsschen, Blumensträuße folgten - und eine für den Norden besonders bemerkenswerte Geste. Ausgiebig dankte Albig seinem Vorgänger Peter Harry Carstensen von der CDU, bescheinigte ihm eine historische Leistung und schenkte dem Hobbyimker das Fachbuch "Dr. Lampes Bienenzucht" von 1909. Der Landtag applaudierte, auch der konfliktfreudige SPD-Fraktionschef Ralf Stegner, der Carstensen noch vor Wochen bei dessen emotionaler Abschiedsrede den Beifall versagt hatte.

Die Regierungsübernahme durch die neue Küstenkoalition hat durchaus historische Aspekte. Mit dem dänisch orientierten SSW regiert erstmals eine Partei einer Minderheit ein Land mit. Die langjährige Fraktionschefin Anke Spoorendonk (64) sitzt nun als Ministerin für Justiz, Kultur und Europa am Kabinettstisch.

Zweites Novum: Mit Haushaltsexpertin Monika Heinold (53) als Ministerin führen die Grünen erstmals in einem Flächenland das Schlüsselressort Finanzen. Auch das zweite Ministerium der Grünen hat es in sich: Energie, Atomaufsicht, Umwelt, Landwirtschaft, Küstenschutz, Wälder, Jagd, Fischerei etc. - würde Ressortchef Robert Habeck (42) alle Zuständigkeiten an seine Bürotür schreiben, hätte die Zimmernummer keinen Platz mehr. Dass die Grünen dieses Superministerium und die Finanzen bekommen haben, zeigt ihr Gewicht.