Ägypten

Staatsanwaltschaft plant Berufung gegen Mubarak-Urteil

Der oberste Staatsanwalt Ägyptens will gegen das Urteil im Prozess gegen den früheren Präsidenten Husni Mubarak (84) in Berufung gehen.

- Das sickerte am Sonntag aus Behördenkreisen durch. Ein Gericht verurteilte Mubarak am Sonnabend wegen seiner Rolle bei der Tötung Hunderter Demonstranten zu lebenslanger Haft, sprach ihn und seine beiden Söhne aber vom Vorwurf der Korruption frei. Zudem wurden sechs ranghohe Polizeioffiziere vom Vorwurf der Beihilfe zur Tötung von Demonstranten freigesprochen. Die Berufung der Staatsanwaltschaft muss sich gegen das gesamte Urteil vom Sonnabend richten.

Nach dem Urteil waren Tausende Ägypter aus Wut und Verärgerung auf die Straße gegangen. Ihrer Meinung nach ist das Urteil für Mubarak und mitangeklagte Polizeioffiziere zu mild ausgefallen. Die Polizei schritt ein, als Angehörige getöteter Demonstranten und Mubarak-Anhänger aufeinander losgingen.

Der Schuldspruch beeinflusst auch die Präsidentenwahl in Ägypten in zwei Wochen. Insbesondere der Kandidat der islamistischen Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, versucht, politisches Kapital aus dem Urteil zu schlagen. "Ich halte an der Todesstrafe (für Mubarak) fest", hieß es in einer Erklärung. Das Verfahren sei eine "Farce" gewesen. Wenn er Präsident werde, würde die Todesstrafe am Ende für Mubarak und den verhassten Innenminister Habib al-Adly ausgesprochen, der ebenfalls lebenslang erhielt.

Mursi tritt am 16. und 17. Juni in einer Stichwahl gegen den früheren Luftfahrtminister Ahmed Schafik an. In ägyptischen Botschaften und Konsulaten begann bereits am Sonntag die Stichwahl.

Was die Demonstranten am meisten verärgert: Zehn Prozessmonate sind vergangen, und das Gericht hat nicht herausgefunden, wer schuld am Tod der Demonstranten ist. Kein Wort über die Drahtzieher der Morde, über die Befehlsgeber und den Hergang. Sämtliche Vorwürfe von Korruption, die Veruntreuung von Millionen aus der Staatskasse, Amtsmissbrauch und Vorteilnahme wurden wegen Verjährung fallen gelassen.

Mubarak nahm das Urteil zunächst ruhig auf, erlitt später jedoch laut Augenzeugen eine Art Schwächeanfall.