Extremismus

Randale bei Neonazi-Aufmarsch in Hamburg

Elf Polizeifahrzeuge und Barrikaden in Brand gesteckt. 4500 Polizisten im Einsatz

- Ein Aufmarsch von Neonazis und schwere Ausschreitungen bei Gegendemonstrationen haben in Hamburg fast 4500 Polizisten in Schach gehalten. Durch den Bezirk Wandsbek, wo die Rechtsextremen nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts am Sonnabendmittag marschieren durften, zog sich eine Schneise der Verwüstung, wie ein Augenzeuge sagte. Gegner der Neonazis hatten Barrikaden und Fahrzeuge rund um den Eilbeker Weg in Brand gesteckt. Dort wollten rund 700 Rechte entlang marschieren.

Bereits in der Nacht hatten Brandstifter elf Polizeifahrzeuge auf dem Parkplatz eines Hotels angezündet, wo für den Einsatz zugereiste Beamte schliefen. Die Täter entkamen unerkannt. Am Vormittag dann trafen sich Tausende Gegner der Rechtsextremen in Wandsbek. "Unsere primäre Aufgabe war es, die Rechten und die Gegendemonstranten voneinander zu trennen", sagte eine Polizeisprecherin.

Noch bevor die Neonazis, deren Anreise von der Polizei gesichert wurde, Wandsbek erreichten, griffen Gegendemonstranten Beamte mit Steinen und Böllern an. Die Täter hätten zur linken Szene gehört. Daraufhin kreisten Polizisten eine Gruppe von 500 bis 700 Teilnehmern ein und nahm sie in Gewahrsam, um Personalien aufzunehmen. Es wurden Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs eingeleitet.

Andere Gegendemonstrationen lösten sich in kleine Gruppen auf, die unkontrolliert durch die Straßen Wandsbeks zogen. Bis zu 3000 Menschen waren es der Polizei zufolge. "Die Lage ist sehr unübersichtlich", sagte die Sprecherin. Mit einem Polizeihubschrauber versuchten die Beamten, den Überblick von oben zu behalten. Am Mittag erreichten die Neonazis ihren zentralen Kundgebungsplatz an der Pappelallee. Mit Sitzblockaden versperrten ihnen Hunderte Gegendemonstranten die geplante Route. Die Polizei trug einige Blockierer weg und ging mit Wasserwerfern gegen sie vor. Doch der Widerstand war zu groß: Die Polizei änderte die Route der Rechten in Richtung Pappelallee. 38 Beamte wurden bei den Krawallen verletzt. Es gab 17 Festnahmen.

Derweil protestierten am Sonnabend aber auch Tausende Menschen friedlich in der Innenstadt gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen. Am Morgen gab es eine Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) mit Polizeiangaben zufolge 3000 Teilnehmern und eine Kundgebung des vom Senat unterstützten Bündnisses "Hamburg bekennt Farbe" auf dem Rathausmarkt. Nach Polizeiangaben versammelten sich dort 10.000 Menschen.