Bilfinger Berger

Entführer töten Deutschen im Norden Nigerias

Die Täter sollen zu einem Al-Qaida-Ableger gehören

- Tragisches Ende einer Entführung: Der in Nigeria verschleppter Mitarbeiter des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger ist tot. Die Entführer erschossen Edgar R. am Donnerstagmorgen kurz vor einem geplanten Befreiungsversuch der nigerianischen Streitkräfte, wie Polizeisprecher Umar Faroukh in der Millionenstadt Kano im Norden des Landes bestätigte. Soldaten war es örtlichen Medienberichten zufolge zuvor gelungen, das Versteck der Täter in der Nähe der Bayero-Universität aufzuspüren. Der Mann war Ende Januar entführt worden.

Bei den Tätern soll es sich um Mitglieder der Terrororganisation Al-Qaida im islamischen Maghreb handeln, die die Frau des Anführers der islamistischen deutschen "Sauerland-Gruppe" aus der Haft freipressen wollten. Im März war im Namen der Gruppe eine Botschaft aufgetaucht, in der es hieß, der entführte Deutsche werde getötet, falls die Ehefrau von Fritz Gelowicz nicht freigelassen würde. Diese Botschaft war von einem Video begleitet, das den Mann aus Baden-Württemberg mit hinter dem Rücken gefesselten Händen und umgeben von maskierten Bewaffneten zeigt.

Ein Gericht hatte die Deutsch-Türkin aus Ulm wegen Unterstützung terroristischer Vereinigungen zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt. Sie kam im April frei, nachdem sie zwei Drittel der Strafe verbüßt hatte. In mehreren Botschaften auf Islamisten-Seiten war behauptet worden, die Frau sei im Gefängnis schlecht behandelt worden. Ihr Mann Fritz Gelowicz gilt als Anführer der "Sauerland"-Gruppe und war 2010 zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden, weil er Anschläge in Deutschland geplant hatte. Die Polizei hatte die Terroristen im Sauerland gefasst.

Erst Anfang Mai starben zwei andere europäische Geiseln im Nordwesten Nigerias. Der Italiener und der Brite waren für eine italienische Baufirma tätig. Als Einsatzkräfte die beiden Männer befreien wollten, ermordeten die Entführer sie. Sie sollen der radikalislamischen Sekte Boko Haram angehören.

Das Auswärtige Amt bestätigte die Berichte über den Tod des Deutschen zunächst nicht. Die deutsche Botschaft in Nigeria und auch der Krisenstab in Berlin seien "mit Hochdruck" um Aufklärung bemüht. Nach Angaben eines Sprechers von Bilfinger Berger war der Mann seit zehn Jahren für den Konzern in Afrika tätig. "Wir sind in allergrößter Sorge", sagte der Sprecher.

Der islamisch geprägte Norden Nigerias ist eine Hochburg von Radikal-Islamisten. Immer wieder werden dort Anschläge auf internationale Institutionen, Polizeistationen und Kirchen sowie Lokale, in denen Alkohol ausgeschenkt wird, verübt. Dabei wurden insgesamt bereits mehrere hundert Menschen getötet.