Lafontaine plant den Handstreich

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Thomas Vitzthum

Saarländer will Linke-Chef werden - und Sahra Wagenknecht als Fraktionschefin installieren

- Das Schauspiel, das auf der Bühne des Karl-Liebknecht-Hauses gegeben wird, könnte "Putin und Medwedjew" heißen. In den Hauptrollen: Oskar Lafontaine als Putin - ehemaliger und neuer Chef. Und Klaus Ernst als Medwedjew - bisheriger und bald ehemaliger Chef. Im Hintergrund: Komparsen - Landesvorsitzende, Wahlverlierer, Bundesvorständler. Zahl der Akte: zu viele.

Immerhin, in dem Stück, das die Linke mindestens seit Dezember aufführt und dessen Finale die Inthronisierung einer neuen Führung sein soll, gab es jetzt einen echten Höhepunkt. Auf offener Bühne beging Klaus Ernst Selbstmord. Er verkündete vor der Presse, dass er es "selbstverständlich befürworten würde", wenn sich Lafontaine zur Übernahme des Vorsitzes entschlösse. Wegen der Satzung der Partei, die mindestens eine Frau im Führungsduo vorsieht, heißt das: Ernst kann in dem Fall nichts mehr werden - politischer Selbstmord. Führende Linke nennen Ernst längst eine "Handpuppe" Lafontaines. Nun ist mehr als deutlich, dass die beiden offenbar eine Vereinbarung hatten - ein wenig so wie der russische Präsident Wladimir Putin und sein Platzhalter Dmitri Medwedjew. Klaus Ernst hat den Vorsitz frei gehalten, bis zu dem Tag, an dem sich Lafontaine erklärt. Nun ist es so weit. Irgendwie zumindest.

Denn die Linke wird einen weiteren Tag hingehalten, erst am heutigen Dienstag soll nach einem Treffen des Parteivorstands und der Landesvorsitzenden klar sein, ob Lafontaine tatsächlich noch einmal antritt. An den beginnenden Gremiensitzungen am Montag nahm er nicht teil, doch Klaus Ernst durfte die Anwesenden über Lafontaines grundsätzliche Bereitschaft informieren. Es regte sich Kritik, Ernst erinnerte daran, dass viele der Anwesenden ihr Mandat wohl der Anziehungskraft Lafontaines verdankten. Eine leere Drohung in Richtung der ostdeutschen Landeschefs, die anders als viele West-Linke nicht auf das Zugpferd Lafontaine angewiesen sind. Teile des Bundesvorstands und vor allem Teile der Ost-Chefs sind sauer, dass es 19 Tage vor dem Parteitag in Göttingen noch keine tragfähige Führungsstruktur gibt, ja nicht einmal eine erkennbar ist.

Bisher hat nur Dietmar Bartsch erklärt anzutreten. Ihn unterstützt das Reformerlager. Eigentlich sollte die neue Struktur längst stehen. Im Dezember wurde abgesprochen, die öffentliche Diskussion einzustellen und innerhalb von zwei Monaten zu einer "kooperativen Führung" zu kommen. Doch diese kam nie zustande - weil Lafontaine sich nicht erklärte. Und dann kamen die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und NRW.

Wie die Berliner Morgenpost aus Parteikreisen erfuhr, möchte Lafontaine seine Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht als Fraktionschefin im Bundestag gleichberechtigt neben Gregor Gysi installieren. Die Linke würde damit zum Familienunternehmen. Kaum vorstellbar, dass die Landeschef aus dem Osten dies hinnehmen. Eine Spaltung und damit das Ende der Linkspartei war noch nie so wahrscheinlich. Auch kein schlechtes Finale für ein Theaterstück.