Kriminalität

Deutschland ist ein Paradies für Einbrecher

Versicherer beziffern den Schaden 2011 auf 430 Millionen Euro - 23 Prozent mehr als 2010

- Alle vier Minuten wird in Deutschland eine Wohnung oder ein Haus aufgebrochen. Nach der neuesten Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS), die dieser Zeitung exklusiv vorliegt, nahmen solche Delikte im vergangenen Jahr bundesweit um 9,3 Prozent auf 132.595 Fälle zu. Das ist der höchste Wert der letzten zehn Jahre. Bei mehr als 80 Prozent der Delikte blieben die Ganoven unerkannt. Denn die Aufklärungsquote betrug lediglich 16,2 Prozent.

Die durch Wohnungseinbrecher verursachten Schäden erreichen derweil einen Höchststand. Die Kosten kletterten deutlich nach oben. Insgesamt zahlten die deutschen Hausratversicherer rund 430 Millionen Euro, ein Plus gegenüber 2010 von 23 Prozent. Die Zahlen bestätigt Christian Lübke, Einbruchsspezialist beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV, 480 Versicherungen) gegenüber der Berliner Morgenpost. Die Schäden würden größer, weil sich "in immer mehr Haushalten teure elektronische Geräte wie Laptops und Smartphones befinden." Der GDV beziffert die Schadenssumme auf 3050 Euro pro Einbruchsopfer. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, forderte, dass die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern eine "konzertierte Aktion" gegen Wohnungseinbrüche beschließt. "Was die Bürger wirklich betrifft, ist von der Politik viel zu lange vernachlässigt worden. Deutschland entwickelt sich zum Paradies für Einbrecher", sagte Witthaut.

Die Gesamtkriminalität stieg 2011 erstmals wieder, nachdem sie sechs Jahre lang beständig zurückgegangen war. Die PKS weist insgesamt 5.990.679 von der Polizei erfasste Straftaten aus, ein Plus um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zugleich sank die Gesamtaufklärungsquote von 56 auf 54,7 Prozent.

Die Diebstahldelikte haben unterdessen mit 40,1 Prozent den größten Anteil an der Gesamtkriminalität. Registriert wurden insgesamt 2,40 Millionen Diebstähle, ein Plus von 4,4 Prozent. So nahm auch der Fahrraddiebstahl um 7,2 Prozent auf 328.748 Fälle zu, und der Diebstahl in und aus Kraftfahrzeugen (Airbags, Navigationsgeräte, Radios) um 2,2 Prozent auf 242.563 Fälle. "Addiert man zu den Wohnungseinbrüchen noch die weiteren Diebstähle hinzu, die teilweise über die Hausratsversicherung versichert sind, wie Fahrraddiebstahl und Entwendungen aus Pkws, beläuft sich der Gesamtschaden auf 540 Millionen Euro", sagte Lübke vom Gesamtverband der Versicherer. Zudem nahm der Taschendiebstahl um 16 Prozent auf 120.790 Fälle zu.

Umgerechnet auf die Straftaten pro 100.000 Einwohner gibt es im Länderranking ein starkes Nord-Süd-Gefälle bei der Kriminalität. Bayern war wieder das sicherste Land, das im Vergleich die wenigsten Straftaten (4969) verzeichnete. Auf dem zweitbesten Platz lag Baden-Württemberg (5420). Das unsicherste Land blieb Berlin (14.286), gefolgt von den anderen beiden Stadtstaaten Bremen und Hamburg. Auf den viertschlechtesten Platz kam Nordrhein-Westfalen.