Bundesregierung

"Guttenberg 2": Schavan verliert Unterstützung

| Lesedauer: 2 Minuten

Bildungsministerin wegen Plagiatverdacht unter Druck

- Bildungsministerin Annette Schavan gerät wegen möglicher Schummeleien in ihrer Doktorarbeit in ihrem CDU-Heimatverband unter Druck. "In der Südwest-CDU brodelt es", sagte der Landeschef der Jungen Union, Nikolas Löbel. Das Mitglied im CDU-Landesvorstand erinnerte daran, dass Schavan dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit ihrer Kritik an den Plagiaten in dessen Dissertation den "Todeskuss" gegeben habe.

"Annette Schavan hat sich in vergleichbaren Fällen schon öffentlich geschämt, da hat die Partei noch Geschlossenheit geübt." Deshalb liege die "moralische Messlatte" für die Wissenschaftsministerin nun besonders hoch. "Darunter kann und darf sie jetzt nicht so einfach hindurchtanzen", betonte Löbel. Schavan hatte damals in einem Interview über Guttenberg gesagt, sie schäme sich als Wissenschaftlerin "nicht nur heimlich". Danach trat der CSU-Politiker zurück.

Die Ministerin und Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) muss sich seit einigen Tagen anonymer Plagiatsvorwürfe aus dem Internet erwehren. Auf der Plattform Schavanplag werden angebliche Plagiatsstellen auf über 50 Seiten ihrer gut 350 Seiten starken Dissertation aus dem Jahr 1980 aufgelistet. Hauptsächlich werden ihr Mängel und "Verschleierung" beim Quellennachweis vorgeworfen - anders als im Fall Guttenberg, der komplette Textstellen anderer Autoren als sein geistiges Eigentum in der Dissertation ausgewiesen hatte. Rechtsexperten hatten im Fall Schavan am Wochenende trotzdem von einem gravierenden wissenschaftlichen Fehlverhalten gesprochen, das einen Promotionsentzug rechtfertigen würde.

Der Vizechef der SPD-Bundestagsfraktion, Florian Pronold, forderte eine schnelle Prüfung der Plagiatsvorwürfe "Im besten Fall ist es peinlich für sie, weil man ihr nachweist, dass sie nicht sauber gearbeitet hat, aber es nicht zur Aberkennung eines Doktortitels kommt." Er fügte hinzu: "Im schlimmsten Falle ist es eine Kategorie Guttenberg zwei." Dann wäre ein Rücktritt zwingend, so Pronold: "So wie sie sich aus dem Fenster gelehnt hat."

( BM )