Immobilien

Die Inseln kommen unter den Hammer

Es klang wie ein Witz, doch jetzt wird es wahr: Etliche Griechen verkaufen aus Geldnot ihre Eilande

- Der Agent ist euphorisch: "Wenn jemand in Griechenland investieren will, dann ist jetzt der beste Zeitpunkt, dies zu tun", sagt Giannis Revithis. "Es wird niemals mehr eine bessere Gelegenheit geben", fasst er das plötzlich blühende Interesse an griechischen Immobilien zusammen. Kein Wunder, denn in Griechenland gibt es plötzlich eine Sorte von Immobilien in Hülle und Fülle zu kaufen, die sonst zu den seltensten Kaufobjekten in diesem Markt gehört: Inseln.

Längst hat die Branche Mittel und Wege gefunden, solvente internationale Kunden zu werben. "Jetzt, da sich die griechische Wirtschaft in schweren Zeiten befindet, könnte für Sie die Gelegenheit gekommen sein, Ihre Trauminsel zu kaufen", heißt es in den Hochglanzbroschüren und Prospekten, auf Internetseiten und Immobilienportalen, die griechischen Boden anbieten, von kleinen Teilen des Festlandes bis zu privaten Ägäisinseln.

Vor diesem Hintergrund, der schwersten Finanzkrise in der Geschichte des Landes, wählt Griechenland an diesem Sonntag ein neues Parlament. Die Abstimmung, zu der knapp 9,7 Millionen Wähler aufgerufen sind, gilt als richtungsweisende Entscheidung über das harte Sparprogramm. Erwartet wird eine Zersplitterung der Parteienlandschaft, was Entscheidungen schwieriger machen würde - und schon im Juni steht dem neuen Parlament in Athen die nächste Entscheidung über Einsparungen in Höhe von knapp 11,5 Milliarde Euro bevor. Für die europäischen Geldgeber ist dies Voraussetzung für weitere Unterstützung und den Verbleib Griechenlands im Euroland. Jüngste Umfragen zeigten, dass die Griechen den Euro behalten und nicht zur Drachme zurückkehren wollen.

Die griechische Regierung war lange Zeit unwillig, den Verkauf von staatlichem Immobilienbesitz überhaupt in Erwägung zu ziehen. Jetzt aber, da der private Sektor dem Verkauf hellenischer Immobilienperlen deutlich offener gegenübersteht, scheinen Politiker in Athen zumindest darüber nachzudenken, das chronisch klaffende Loch in der Staatskasse durch die Veräußerung des Tafelsilbers zu stopfen.

Die Privateigentümer der vielen kleinen Inseln können die hohen Steuern, die der Staat im Zuge der Sparmaßnahmen erhebt, kaum noch bezahlen und sind zuweilen froh darüber, das eine oder andere Eiland endlich los zu sein. Insbesondere jene, die ihren Besitz geerbt haben, sind oftmals nicht gewillt, hohe Steuern und Unterhaltskosten zu zahlen. Das ist der Hauptgrund für die deutlich höhere Aktivität am Markt - nach drei Jahren der "Dürre". Jüngster Fall: die Insel Oxia. Sie ging aus dem Besitz der griechisch-australischen Familie Stamoulis in den Besitz des Königshauses von Katar über.

Shopping-Tour in Hellas

Die Stamoulis' machten Zugeständnisse und verhandelten an der unteren Grenze des tatsächlichen Inselwerts. Am Ende ging das 4223 Quadratkilometer große, unbewohnte Eiland nicht für die ursprünglich ausgewiesenen 6,9 Millionen Euro, sondern für nur fünf Millionen Euro über den Tisch. Und das, obwohl Oxia wunderbar gelegen ist, im Ionischen Meer nahe Ithaka. Historische Gewässer: Hier versammelten sich die Kriegsschiffe der Heiligen Liga, um in der Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571 südlich der Insel die Flotte der Osmanen zu schlagen. Natur und Geschichte pur.

Ein großer Teil der Insel gehört zwar zum ökologischen Netzwerk Natura 2000 und steht unter Naturschutz, doch ein mindestens ebenso großer Teil kann touristisch entwickelt werden, was die neuen Besitzer offenbar auch vorhaben. Die griechische Immobilienbranche vermutet, dass die königlichen Käufer eine große Kriegskasse haben und weiter auf Shoppingtour in Hellas gehen werden. Sie sollen interessiert sein am Gelände des ehemaligen Athener Flughafens und nach weiteren Schnäppchen im Mittelmeerbereich Ausschau halten. Bereits unter Dach und Fach ist eine Kette von vier Luxushotels auf Sardinien. Ein Auge hat die königliche Familie offenbar auch auf einen 600-Millionen-Euro-Themenpark nahe Rom geworfen, wo die Antike mit Gladiatorenkämpfen und Reiterspielen für Touristen auferstehen soll.

Angaben der griechischen Tourismus-Organisation (EOT) zufolge verfügt der griechische Staat über 6000 Inseln und Inselchen im Ägäischen und Ionischen Meer. Nur 227 von ihnen sind bewohnt, 60 befinden sich im Privatbesitz von Konzernen, Familien oder Investoren. Manche Inseln bestehen nur aus schroffen Felsformationen, manche sind Zuhause für ein paar Büsche und Eidechsen. Alle aber sind weitgehend unberührt und umgeben von blauem, sauberem Wasser und damit verlockende Versuchungen für Investoren.