Wahlkampf

Müdes TV-Duell zwischen Kraft und Röttgen

Debatte wirkt wie ein Disput unter Fachleuten

- Vulkanhalle heißt der Schauplatz des TV-Duells zwischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Herausforderer Norbert Röttgen (CDU). Ein verheißungsvoller Name, doch Gefühlsausbrüche gibt es nicht. Über weite Strecken wirkt die einstündige Sendung wie ein Disput unter Fachleuten.

Am Montagabend um kurz nach acht postieren sich die Kontrahenten hinter ihren Pulten in der alten Fabrikhalle in Köln-Ehrenfeld. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn hat den beiden vor der Sendung gesagt, er und seine Co-Moderatorin Gabi Ludwig hätten "reichlich Fragen, aber sie sind herzlich eingeladen, miteinander zu streiten". Tatsächlich kommt es schnell zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf Kraft unter anderem sagt, das, was Röttgen da behaupte, sei "Unsinn".

Folgen können der Debatte über weite Strecken nur Eingeweihte. Kraft (50) und Röttgen (46) hauen sich Zahlen und Fachbegriffe um die Ohren. Kraft spricht von "Konnexität", Röttgen von "sächlichen Verwaltungsausgaben". Einmal sagt Röttgen: "In den Zahlen sind wir uns einig." Kraft widerspricht: "Nein, sind wir uns nicht."

Kraft hatte sich bisher im Wahlkampf aufs Landesmütterliche verlegt, ihr Motto heißt "NRW im Herzen". An diesem Abend wirkt sie jedoch auch sehr geschäftsmäßig. Es ist eher die Mimik, die sie von Röttgen unterscheidet. Sie lächelt häufiger, schüttelt auch mal mit dem Kopf, erlaubt sich Sätze wie "Sie haben das verbaselt". Einmal lacht sie über ihn: "Haha!"

Röttgen ist ganz Kopfmensch. Er versucht, als seriöser Analytiker zu punkten. Auf harte Angriffe verzichtet er - etwas Spott ist alles, was er sich erlaubt. So unterbricht er Kraft oft oder murmelt missbilligend vor sich hin. Ein bisschen wirkt er wie der Klassenprimus, der darauf pocht, dass er im Rechnen eine Eins hat: "Das Ergebnis ist null. Absolut null." Und dann: "Ich sag ja nur, das Ergebnis ist null."

Kraft schaut nach dem Duell noch bei den Journalisten vorbei, die sich im Nebenraum versammelt haben. Ihr Gefühl? "Ich bin zufrieden." Und Röttgen? Der natürlich auch. Es ist wie immer: ein Duell, zwei Sieger.