Kommentar

Taktisches Dilemma

Sascha Lehnartz

Sascha Lehnartz über Sarkozys schlechte Chancen

Die Strategie des Sozialisten, aus der Wahl eine Abstimmung gegen den unbeliebten Nicolas Sarkozy zu machen, scheint aufzugehen. Alle Umfrageinstitute gehen davon aus, dass er in der Stichwahl das linke Lager hinter sich bringen und den Amtsinhaber schlagen wird.

Sarkozys Versuch, mit rechtslastigem Wahlkampf Stimmen der Front-National-Sympathisanten zu gewinnen, ist gescheitert. Marine Le Pen, die "entdämonisierte" Frontfrau der Rechtsextremen, hat mit 18,2 Prozent sogar das Ergebnis ihres Vaters von 2002 übertroffen. Sie etabliert sich als dritte Kraft und stößt gerade bei jungen Wählern auf Zustimmung.

Sarkozy bringt das in ein fast unlösbares taktisches Dilemma: Um die Stichwahl doch noch zu gewinnen, muss er die Le-Pen-Wähler umwerben. Doch mit einer Verschärfung der rechten Rhetorik treibt er die Wähler des Zentrumspolitikers François Bayrou, die er ebenfalls braucht, in die Arme Hollandes.

Die Resultate der Wahl zeigen auch, dass rund 40 Prozent der Franzosen für europafeindliche bis - zurückhaltend formuliert - fremdenunfreundliche Ideen empfänglich sind. Und mindestens ebenso viele für wirklichkeitsentrückte Wirtschaftspolitik. Das ist aus deutscher wie aus europäischer Sicht das wirklich beunruhigende Ergebnis dieser Wahl.