Anschlag

51 Tote nach Taliban-Angriff in Kabul

Afghanischer Präsident rügt ausländische Geheimdienste. Diplomaten besorgt über Sicherheit

- Nach der Serie von Taliban-Angriffen in Afghanistan hat Präsident Hamid Karsai den in- und ausländischen Geheimdiensten Versagen vorgeworfen. Das "Scheitern der Aufklärung vor allem der Nato" müsse "ernsthaft" untersucht werden, sagte Karsai. Bei den Anschlägen und anschließenden Gefechten, die erst in der Nacht zu Montag nach 17 Stunden beendet werden konnten, starben 51 Menschen, darunter 36 Taliban, elf Mitglieder der Sicherheitskräfte und vier Zivilisten.

Nach Angaben der Polizei starben die Angreifer bei Schusswechseln oder bei der Explosion ihrer Sprengstoffwesten. Der Polizeichef von Kabul, Mohammed Ajug Salangi, sagte, die Sicherheitskräfte hätten rund 40 Zivilisten aus den Händen der Taliban befreit. Die Angreifer hätten sie in einem Gebäude am Parlament festgehalten. Etwa 50 Mitglieder der Sicherheitskräfte und 25 Zivilisten wurden nach offiziellen Angaben verletzt.

Die Taliban hatten sich am Sonntag zu den Angriffen bekannt. Sie sprachen vom Beginn einer "Frühjahrsoffensive". Sie richtete sich gegen das Parlament, einen Vizepräsidenten und mehrere westliche Botschaften, darunter auch die Vertretung Deutschlands. Auch ein Luftwaffenstützpunkt der internationalen Afghanistantruppe Isaf bei Dschalalabad sowie weitere Basen der afghanischen und ausländischen Truppen wurden angegriffen.

In Kabul gelang es den afghanischen Sicherheitskräften mit Unterstützung von US-Hubschraubern, nach 17 Stunden die letzten verschanzten Angreifer zu töten. Isaf-Kommandeur John Allen sagte, er sei stolz auf die schnelle Reaktion der afghanischen Sicherheitskräfte. Auch US-Botschafter Ryan Crocker lobte diese als "sehr professionell". Experten und Diplomaten zeigten sich dagegen beunruhigt darüber, dass solche Angriffe im schwer gesicherten Zentrum der afghanischen Hauptstadt möglich sind.

Nach Aussage eines Aufständischen ist das Haqqani-Netzwerk für die koordinierten Attacken verantwortlich. Der Mann sei während der Kämpfe in der Provinz Nangarhar gefangen genommen worden und habe erklärt, die in Pakistan ansässige Gruppe mit Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida stecke hinter der Offensive, sagte der afghanische Innenminister Besmillah Mohammadi.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilten die Angriffsserie beide "auf das Schärfste", ebenso Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Das ist natürlich ein erneuter Rückschlag für die Friedensbemühungen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Regierung halte dennoch an dem international abgestimmten Plan für die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen fest. Die Reaktion der afghanischen Sicherheitskräfte auf die Attacken zeige, dass dieser Plan gelingen könne.

Nato-Sprecherin Oana Lungescu sagte, das Militärbündnis werde nichts an ihren Abzugsplänen ändern. "Das war nicht die erste solcher Attacken, und ich erwarte nicht, dass es die letzte war. Aber solche Angriffe ändern die Übergabestrategie nicht", sagte Lungescu. An dem Zeitplan, der eine vollkommene Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit an die afghanischen Sicherheitskräfte bis Ende 2014 vorsieht, werde festgehalten.

Die internationale Gemeinschaft hat aber danach weitere Milliardenhilfen und Unterstützung zugesagt, etwa bei der Ausbildung der Sicherheitskräfte.