Eurokrise

Jeder zweite junge Grieche ist arbeitslos

Die Spar-Parteien verlieren vor der Wahl immer mehr an Unterstützung

- 50,8 Prozent der Menschen zwischen 15 und 24 Jahren gingen in Griechenland im Januar keiner regulären Arbeit nach. Somit ist jeder zweite junge Grieche in dem rezessionsgeschüttelten Land ohne Job, wie das Statistikamt Elstat am Donnerstag mitteilte. Das sind doppelt so viele wie vor drei Jahren. Die Arbeitslosigkeit erreichte in dem Monat einen Rekordwert und stieg auf 21,8 Prozent. Das ist zweimal so hoch wie der Durchschnitt in der Euro-Zone. Nur in Spanien sieht es noch schlechter aus: Im ersten Quartal lag die Arbeitslosenquote dort bei 22,9 Prozent. In Deutschland waren im März 7,2 Prozent ohne Arbeit.

Diese drastische Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation in Griechenland schlägt sich in der Unterstützung für die beiden großen Parteien nieder. Knapp vier Wochen vor der Wahl büßen sie weiter an Popularität ein. Die Umfragewerte für die konservative Neue Demokratie (ND) wie für die sozialistische Pasok-Partei verharren damit auf historischen Tiefständen, wie zwei am Donnerstag veröffentlichte Umfragen ergaben.

Die Zustimmung für die ND sank seit Ende März um 3,5 Punkte auf 19 Prozent, wie eine Umfrage von Public Issue für die Zeitung "Kathimerini" ergab. Die Pasok verlor einen Punkt und kommt nun auf 14,5 Prozent. Mit diesen Ergebnissen sind beide weit von einer absoluten Mehrheit im Parlament entfernt. Die Umfrage wurde im Zeitraum vom 3. bis 9. April geführt und damit rund einen Monat vor der für den 6. Mai geplanten vorgezogenen Neuwahl.

Die kleinen Parteien, die sich gegen den eingeschlagenen Sparkurs der Regierung wenden, erfreuen sich dagegen wachsender Zustimmung: So erreichten die erst vergangenen Monat gegründeten Unabhängigen Griechen in der Umfrage elf Prozent nach 8,5 Prozent Ende März. Die Gruppierung hatte der ND-Aussteiger Panos Kammenos gegründet. Er wurde von der ND ausgeschlossen, weil der den Sparkurs nicht mittragen wollte.

Die bevorstehende Wahl bereitet den internationalen Geldgebern Griechenlands unterdessen Sorge. Sie fürchten, dass eine Regierung mit einer neuen Zusammensetzung die Auflagen für die 130 Milliarden Euro schwere Rettung des Landes aufweichen wird. Finanzminister Filippos Sachinidis, der an den Verhandlungen mit EU und IWF beteiligt gewesen war, appellierte an sein Volk, nicht indirekt für einen Austritt des Landes aus der Euro-Zone zu stimmen. "Ich erwarte, dass die Menschen bei der Wahl ihren Missmut und ihr Misstrauen über das politische System zum Ausdruck bringen werden", wurde der Minister in einem Interview auf der Website in.gr zitiert. "Die Notwendigkeit, zu protestieren, sollte nicht dazu führen, dass (das Land) Europa und den Euro verlässt."

In der zweiten Umfrage, die von Metron Analysis für die Zeitung "Imerisia" geführt wurde, kam die ND auf 24,3 Prozent und die Pasok auf 15,4 Prozent. Sie fand vom 20. März bis zum 6. April statt. Bis zu neun Parteien dürften den beiden Umfragen zufolge den Sprung über die Drei-Prozent-Marke schaffen und damit den Einzug ins Parlament.