Schönheitsoperationen

Neue Nase? Nur für Erwachsene

Die Union will ein Verbot von Schönheits-Operationen für Minderjährige einführen

- Ob Brustvergrößerungen, Nasenkorrekturen oder abgesaugtes Fett am Unterbauch: Zehn Prozent aller ästhetisch-plastischen Eingriffe werden nach Angaben der Vereinigung Deutscher Plastischer Chirurgen inzwischen an Mädchen und Jungen vorgenommen, die weniger als 20 Jahre alt sind. Bislang gibt es kein Mindestalter für solche Schönheitsoperationen, die entweder von den Jugendlichen selbst, in manchen Fällen aber auch von Eltern gewünscht werden, die ein spezielles Schönheitsideal für den Nachwuchs im Sinn haben.

Die Unionsfraktion im Bundestag unternimmt nun einen weiteren Anlauf für ein Verbot von Schönheitsoperationen an Minderjährigen, für die es keine medizinischen Gründe gibt. Es soll Eingang in das neue Patientenrechtegesetz finden, an dem die Koalition arbeitet. "Selbst bei einer ordnungsgemäßen Aufklärung ist nicht sichergestellt, dass sich der Jugendliche der Reichweite seines Entschlusses bewusst ist", heißt es in einem Positionspapier der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU-Fraktion, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Es bestehe "die Gefahr, dass der jugendliche Charakter die Folgen nur schwer oder überhaupt nicht verarbeitet".

Gefahr für Heranwachsende

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn, der zu den Verfassern des Papiers gehört, wird noch deutlicher: "Der Staat schützt junge Menschen bei alkoholischen Getränken und Zigaretten aus guten Gründen vor sich selbst. Aus unserer Sicht ist es überfällig, dass wir das bei unnötigen und oft ja nicht ungefährlichen Schönheitsoperationen genauso machen." Der allgemeine Schönheitswahn könne eine Gefahr für Heranwachsende sein, wenn diese sich ohne Bedacht unters Messer legten, sagte Spahn der Berliner Morgenpost. Das Patientenrechtegesetz sei genau der passende Ort für diese Regelung, deshalb müsse sie dort hineinkommen.

Abzustimmen ist das Vorhaben allerdings auch noch mit den zuständigen Kollegen beim Koalitionspartner FDP. Und das könnte ein Problem werden. "Bisher ist uns nur der Wunsch einzelner Gesundheitspolitiker der Union bekannt, Schönheitsoperationen bei Minderjährigen zu verbieten. Genauere Begründungen oder gesicherte Fakten wurden uns bisher nicht vorgetragen", sagte Heinz Lanfermann, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, der Berliner Morgenpost. Er halte die Abgrenzung zwischen medizinischer Notwendigkeit und einer reinen Verschönerungsmaßnahme für "sehr unscharf": "Soll denn jetzt auch das Ohrenanlegen verboten werden?" Lanfermann bezweifelt, dass Spahn und Co ihr Vorhaben unionsintern überhaupt mit den Rechtspolitikern abgestimmt haben.

Auch im FDP-geführten Bundesgesundheitsministerium gibt man sich reserviert. Ein mögliches Verbot bewege sich im Spannungsfeld zwischen dem im Grundgesetz verankerten Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und dem Berufsrecht der Ärzte, gab eine Sprecherin von Minister Daniel Bahr zu bedenken. Wer Schönheitsoperationen an unter 18-Jährigen grundsätzlich untersagen wolle, müsse dafür auch konkrete juristische Wege aufzeigen. In der zurückliegenden Legislaturperiode sei schon mal der Versuch gescheitert, diesbezüglich Änderungen am Jugendschutzgesetz herbeizuführen. Denkbar wären eventuell entsprechende Änderungen in den Heilberufe-Kammergesetzen der Länder. Dann aber wäre der Bund gar nicht zuständig. Tatsächlich verzichten die Autoren in ihrem Papier darauf, mögliche rechtliche Hebel zur Verankerung des Verbots von Schönheitsoperationen darzulegen. Vielleicht will man den Ergebnissen der Klausurtagung der Gesundheitspolitiker von CDU und CSU nicht vorgreifen, die an diesem Freitag das weitere Vorgehen beraten. Was die Abgrenzbarkeit zwischen unabdingbaren Behandlungen und überflüssigen Schönheits-OPs betrifft, sieht Spahn jedenfalls keine Schwierigkeiten: "Der Unterschied zwischen Schönheitsoperationen und medizinisch notwendigen Eingriffen - etwa nach einer Krebsoperation - ist völlig klar: Erstere werden von den Kassen nicht bezahlt, Letztere schon", sagte er.

OP beim Heilpraktiker

Damit nicht genug. Die Union moniert außerdem, dass die Begriffe Schönheitsoperation, Schönheitschirurgie, kosmetische Chirurgie und ästhetische Chirurgie in Deutschland bis heute nicht eindeutig definiert sind. Sie will den Oberbegriff "Schönheitschirurgie" künftig schützen, um Verbraucher "vor nicht qualifizierter Behandlung und deren möglichen negativen Folgen zu bewahren". Tatsächlich können derzeit sogar Heilpraktiker ein Schild mit dem Titel "Schönheitschirurg" an ihre Praxistür hängen und Patienten so Fachkompetenz vorgaukeln. Die Bundesärztekammer hatte bei ähnlichen Vorstößen in der Vergangenheit argumentiert, dass schon nach der geltenden Gesetzeslage eigentlich nur hinreichend qualifizierte Mediziner Schönheitsoperationen durchführen dürfen.

Davon abgesehen ist die Zahl der Beschwerden über ärztliche Behandlungsfehler in Deutschland insgesamt hoch - 14.079 waren es nach Angaben der Bundesärztekammer allein im Jahr 2010. Die Union will deshalb auch die Einführung eines millionenschweren Entschädigungsfonds für Patienten prüfen, die Opfer von ärztlichen "Kunstfehlern" geworden sind. So könne man Betroffenen in "besonders schweren Fällen", in denen ein Verschulden des Arztes wahrscheinlich sei, "schnell und unbürokratisch Hilfe zukommen lassen". Der Fonds soll auf freiwilliger Basis von Haftpflichtversicherungen finanziert werden.