Kommentar

Sehnsucht nach Glück entscheidet die Wahl

Claus Christian Malzahn über das Präsidentschaftsduell zwischen Barack Obama und Mitt Romney

Eine der erfolgreichsten TV-Serien dieser Zeit ist die Anfang der 60er-Jahre im New Yorker Werbemilieu angesiedelte Saga "Mad Men". Die Erzählungen über Don Draper führen uns eine lebensfrohe Epoche vor, in der exzessives Rauchen noch überall erlaubt und der Dollar eine unumstößliche Größe der Weltwirtschaft war. Das amerikanische Jahrhundert ruhte auf seinem Höhepunkt, die Zukunft lag weit offen. Das in der US-Verfassung garantierte "Streben nach Glück" erscheint auch in der ironischen Rückschau der Erfolgsserie als ganz und gar von dieser Welt. Die Kinder, dessen war man sich im Amerika der 60er-Jahre ziemlich sicher, würden es besser haben.

Heute sind Don Drapers Kinder erwachsen - und bangen um ihr noch nicht abgezahltes Eigenheim. Die Generation der Babyboomer wird darüber entscheiden, ob Barack Obama eine zweite Amtszeit bekommt oder Mitt Romney an seiner Stelle in das Weiße Haus einzieht. So hässlich der Vorwahlkampf zwischen dem Multimillionär Romney und dem frommen Apologeten der Tea-Party-Bewegung Rick Santorum auch gewesen sein mag: Das Duell zwischen Obama und Romney wird nicht über die feindseligen politischen Ränder der US-Politik ausgetragen werden. Neuer (oder alter) Präsident wird wohl der, dem es gelingt, dem gebeutelten amerikanischen Mittelstand eine Perspektive zu bieten. Denn das Gefühl, die "Pursuit of happiness" sei in den USA noch etwas wert, haben nicht erst seit der Bankenkrise immer weniger Bürger. Jobs sind heute auch für viele gut ausgebildete Bürger Mangelware, die Wirtschaft stagniert. Natürlich boomen amerikanische Unternehmen wie Apple - doch sie schaffen ihre Arbeitsplätze im Ausland. In den USA gehören Macs und iPhones zwar wie bei uns zu den Verkaufsschlagern. Doch amerikanische Angestellte zählt Apple mit 40.000 Menschen heute etwa so viele, wie New York Obdachlose zählt.

Mit den Grundvoraussetzungen für das private Streben nach Glück sah es zu Don Drapers Zeiten eben weit besser aus. In Obamas Wahlreden fallen nun Begriffe, die man eher aus Europas politischer Arena kennt: Fairness, Ausgleich, Gerechtigkeit. Die Zuversicht, diese Dinge würden sich erstens mit harter Arbeit und zweitens über den Markt irgendwie von selbst regeln, ist auch in den USA nicht mehr ungebrochen. Solche Töne aus der alten Welt wird Romney gegen den 44. Präsidenten verwenden, selbst mit Agitprop, vier weitere Obama-Jahre würden die USA in eine neue Sowjetunion verwandeln, ist zu rechnen. Doch hinter solchen Sprüchen steckt mehr Rhetorik als Programm.

Der Mormone Mitt Romney hat es immerhin zum Gouverneur im liberal geprägten Ostküstenstaat Massachusetts gebracht, seine dortige Gesundheitsreform unterscheidet sich kaum von der Obamas. Der gemäßigte Republikaner tritt nun gegen einen demokratischen Präsidenten an, der in den letzten Jahren eher eine vorsichtige Politik betrieb. Die Menschen wollen von beiden wissen, wie es in der Mitte weitergeht. Und dort wird diese Wahl, trotz schriller Töne vom Rand, am Ende entschieden. Genau wie bei uns.