Israel-Kritik

Grass lästert über "Zwangsmaßnahme"

Nach Einreiseverbot vergleicht er Israels Innenminister mit Stasi-Chef

- Der Schriftsteller Günter Grass hat die seit einer Woche andauernde Debatte über seine Israel-Kritik mit einer harschen verbalen Spitze weiter angeheizt: Der Literatur-Nobelpreisträger bezeichnete das gegen ihn verhängte Einreiseverbot Israels als "Zwangsmaßnahme", die an DDR-Methoden erinnere. Grass schreibt in seinem neuen Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" mit der Überschrift "Damals wie heute - meine Antwort auf jüngste Beschlüsse", das Einreiseverbot gegen ihn sei eine "in Diktaturen übliche Praxis", die er selbst in der DDR und in Birma erlebt habe. Die Begründung des israelischen Innenministers Eli Jischai für das Einreiseverbot erinnere ihn dem Tonfall nach an "das Verdikt Mielkes". Erich Mielke (1907 - 2000) war langjähriger Minister der DDR für Staatssicherheit. Nach der Wende wurde Mielke wegen eines 1931 verübten Doppelmords an Polizisten zu sechs Jahren Gefängnisstrafe verurteilt.

Der 84-jährige Grass erneuerte zudem seine umstrittene Israel-Kritik. "Die DDR gibt es nicht mehr", schreibt der Schriftsteller. "Aber als Atommacht von unkontrolliertem Ausmaß begreift sich die israelische Regierung als eigenmächtig und ist bislang keiner Ermahnung zugänglich." Das Einreiseverbot werde seine "hilfreichen Erinnerungen" an frühere Aufenthalte in Israel überdies nicht auslöschen können, schreibt Grass in dem Beitrag weiter. "Immer noch sehe ich mich dem Land Israel unkündbar verbunden."

Hintergrund des Einreiseverbotes für den Schriftsteller ist das kontroverse Israel-kritische Gedicht "Was gesagt werden muss", das ebenfalls in der "Süddeutschen Zeitung" publiziert worden war. Grass hatte darin geschrieben, die Atommacht Israel bedrohe den Weltfrieden und könne das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen. Der israelische Innenminister Eli Jischai verhängte daraufhin das Einreiseverbot gegen den Schriftsteller.

Unterstützung erhielt Grass von seinem Schriftstellerkollegen Erich Loest. Der 86-Jährige schrieb in einem von der "Leipziger Volkszeitung" veröffentlichten Brief: "Lieber Günter, wir sind uns einig: Ein nuklearer Angriff Israels wäre ein Kriegsverbrechen mit schrecklichen Folgen." Hingegen sprach der Schriftsteller Josef Haslinger dem Literatur-Nobelpreisträger "die nötige moralische Autorität für dieses Thema" ab. Der Filmproduzent Artur Brauner wandte sich "an den Dichter des Grauens, der Verzerrung, der Provokation gegen Israel". Brauner schrieb in einer Anzeige in der Zeitung "Die Welt", Grass bewirke mit seinen Äußerungen nur, dass die Verbindung der Juden mit Israel noch stärker werde.