Prominente Patientin

Julia Timoschenko soll an der Charité behandelt werden

In der Charité könnte bald eine sehr prominente Patientin behandelt werden: Julia Timoschenko. Die Bundesregierung bemüht sich um die Ausreise der im Gefängnis schwer erkrankten ehemaligen ukrainischen Ministerpräsidentin nach Deutschland, um ihr eine medizinische Behandlung zu ermöglichen, wie eine Regierungssprecherin sagte.

- "Es gibt Gespräche in dieser Richtung zwischen der Charité und der ukrainischen Seite", sagte eine Sprecherin des Krankenhauses, ohne Einzelheiten zu nennen.

Ein Gericht in der Ukraine hatte Timoschenko 2011 wegen eines angeblich illegalen Gasgeschäftes mit Russland zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt, die sie in einem Gefängnis bei Charkow verbüßt. Im Westen gilt das Urteil als politisch motiviert.

Medienberichten zufolge leidet Timoschenko an einem Bandscheibenvorfall. Im Februar hatten Karl Max Einhäupl, Leiter der Charité, und der Orthopäde Norbert Haas Timoschenko, die Leitfigur der Orangenen Revolution, untersucht. Beide kamen zu dem Ergebnis, dass die Politikerin im Gefängnis nicht behandelt werden kann.

In Verhandlungen mit der Verwaltung des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch bot das Bundeskanzleramt der "Süddeutschen Zeitung" zufolge eine Therapie der 51-Jährigen in der Charité an. Die Ukraine soll zugesagt haben, die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen zu wollen.

Die Führung in Kiew hofft dem Bericht zufolge auf Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der EU und muss zudem Kritik während der Fußball-Europameisterschaft im Juni fürchten. Beides sieht das Bundeskanzleramt als mögliche Anreize für ein Entgegenkommen der Ukraine im Fall Timoschenko.