Kommentar

Die FDP zeigt endlich Zähne und Haltung

Hajo Schumacher über das Nein der Liberalen zur Rettung der Drogeriekette Schlecker

Man muss die Koordinaten der FDP nicht mögen, die da seit Langem wieder zu erkennen sind. Gleichwohl braucht ein durch und durch sozialdemokratisiertes Land dringend eine politische Kraft, die jenseits des umfragegetriebenen Opportunismus daran erinnert, dass Alfred Müller-Armack, Franz Böhm und natürlich Ludwig Erhard die soziale Marktwirtschaft als ein fein ausbalanciertes System betrachteten. Wesentliche Bedingung: das Funktionieren des Marktes, ohne viele Eingriffe. Beim Fall der Drogeriekette hat der Markt prima funktioniert.

Kein Mensch braucht Schlecker, weder die unfreundlichen Märkte noch die Jobs jenseits aller Tarifverträge. Bei allem Mitgefühl für die Angestellten muss noch Zeit für ein bisschen Ehrlichkeit sein: Schlecker ist nicht Apple, sondern ein zu Recht gescheitertes System, das viel über das Menschenbild des Gründers verriet. Den Gegenentwurf liefert DM-Begründer Götz Friedrich, der beweist, dass es sehr wohl einen Unterschied zwischen Einzel- und Sklavenhandel gibt.

Ja, Rettungsaktionen sind gerade für Politiker extrem verlockend. Seit der Operette, die Kanzler Schröder beim Baukonzern Holzmann aufführte, ist aber auch klar: Die Mitarbeiter werden oft als Jubelstatisten missbraucht, die wenig später dann doch auf der Straße stehen. Soll wirklich eine Politik im Markt herumfummeln, die Hannover zur Filmmetropole machen, den Nürburgring in einen Freizeitpark verwandeln und Energieversorger verstaatlichen will? Lieber nicht. Politik nutzt Wirtschaft fast immer nur zur Eigenreklame – ein durchweg teurer Spaß. Und keine Hilfe für die Menschen.

Den Job zu verlieren, das gehört nicht nur für Bundespräsidenten und TV-Moderatoren zum täglichen Leben. Derzeit bangen die Mitarbeiter des Berliner Traditionsunternehmens Leiser um ihre Arbeit. Wer kümmert sich um die? Zu klein, sagen sich die barmherzigen Empörungsroutiniers wohl. Kommt man nicht mit ins Fernsehen. Was mögen angesichts der zahlreichen Schlecker-Heuchler die vielen fleißigen und mutigen Kleinunternehmer denken, die von der Insolvenz bedroht sind, nur weil die öffentliche Hand nicht pünktlich zahlt?

Bleibt die spannende Frage: Kommt die FDP wieder zu Kräften, während die Republik die Schwammköpfe von den Piraten bejubelt und Euro- Billionen in großkoalitionärem Murmeln untergehen? Oder erlebt das Land nur den letzten liberalen Zufallstreffer, nachdem der Vorsitzende Westerwelle eine ehemals stolze Partei mit seinem armseligen Steuersparkurs zum Zwischenstopp für Schnäppchenjäger herabgewirtschaftet hat? Kaltherzig wirke die FDP, mäkeln die Kritiker. Gut so. Im Wettbewerb der guten Menschen, die öffentliches Geld verballern, ist die kalte Hand des Kassenwartes nötiger denn je, in Zukunft übrigens auch gern bei Banken und Hotels