Demonstration

Protest gegen Israels Siedlungspolitik

Zehntausende demonstrieren mit "Marsch auf Jerusalem"

- Am Kontrollpunkt Kalandia nördlich von Jerusalem kam es jedoch zu einer größeren Auseinandersetzung zwischen israelischen Sicherheitskräften und palästinensischen Demonstranten.

Im Gazastreifen beteiligten sich mehrere Tausend Menschen an einer Demonstration. Am "Tag des Bodens" versammelten sich auch mehrere Zehntausend Palästinenser an den Grenzen Israels im Libanon und in Jordanien. Dort verliefen die Kundgebungen jedoch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und blieben zunächst friedlich. Auch in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern waren Solidaritätsaktionen geplant.

In Kalandia wurde der palästinensische Parlamentarier Mustafa Barguti unter zunächst ungeklärten Umständen am Kopf verletzt. Nach palästinensischen Angaben traf den gemäßigten Politiker eine Tränengasgranate. Die israelischen Behörden meldeten dagegen, ein Palästinenser habe ihn geschlagen. Demonstranten bewarfen die Uniformierten mit Steinen. Die Sicherheitskräfte antworteten mit Tränengas, Gummigeschossen und einer extrem stinkenden Flüssigkeit, die Wasserwerfer auf die Demonstranten sprühten.

Zusammenstöße mit der israelischen Polizei und dem Militär wurden auch aus Hebron, Bethlehem und der Altstadt von Jerusalem gemeldet. Nach Angaben aus palästinensischen Kreisen wurden mindestens 100 Menschen verletzt. Unabhängige Angaben gab es zunächst nicht.

Am 30. März begehen die Palästinenser den "Tag des Bodens", der an den Tod von Demonstranten 1976 erinnert. Damals hatten israelische Sicherheitskräfte Proteste arabischer Bauern gegen die Enteignung ihres Landes im Norden Israels niedergeschlagen. Dabei wurden sechs arabische Israelis erschossen.

Dieses Jahr hatte eine Koalition aus Palästinensern und ausländischen Unterstützern zum "Marsch auf Jerusalem" aufgerufen. Damit sollte vor allem gegen die nach Ansicht der Organisatoren schleichende Verdrängung der Palästinenser aus Jerusalem protestiert werden.

Im Süden des Libanon demonstrierten Hunderte Libanesen und palästinensische Flüchtlinge. Die Menschen schwenkten Flaggen der Palästinenser sowie der libanesischen Hisbollah-Miliz. Auf Schildern stand: "Jerusalem, wir kommen!"

Israel steht wegen seiner Siedlungen in den 1967 im Sechstagekrieg besetzten Gebieten seit Langem in der Kritik. Die Siedlungen sind nach internationalem Recht illegal und eines der Hindernisse für die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen. Im Westjordanland und in Ostjerusalem leben rund eine halbe Million jüdische Siedler inmitten von gut 2,5 Millionen Palästinensern.