Wahlen

Lokalpolitiker will Grünen-Spitze aufmischen

Ein Rebell ist Werner Winkler bestimmt nicht und auch kein Radikaler. Eher ein solider Basisdemokrat in grüner Tradition. Daher hat er jetzt eine E-Mail in die Berliner Parteizentrale geschickt und sich als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2013 beworben.

- "Ich will etwas in Bewegung bringen", sagt Winkler, 47 Jahre alt, seit gut einem Jahr Mitglied der Grünen und Vorsitzender des Ortsverbands Waiblingen bei Stuttgart. Jetzt wagt sich der Lokalpolitiker schon in die Bundespolitik vor.

Seit Wochen diskutiert die Grünen-Spitze in Berlin, mit welcher Aufstellung die Partei am besten in den Wahlkampf ziehen soll: mit einem einzelnen Spitzenkandidaten, dem bewährten Spitzen-Duo oder gar einem Spitzen-Quartett. Zur Auswahl standen bislang die Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin sowie die Parteivorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir. Eine Solo-Kandidatur gilt als nahezu ausgeschlossen. Am wahrscheinlichsten ist ein gemischtes Duo. Als Anfang März Parteichefin Roth in Berlin ihr Interesse an der Spitzenkandidatur offiziell verkündete, wurde Winkler im fernen Waiblingen hellhörig. "Hoppla, das kann ich auch", habe er sich gesagt und sei aktiv geworden.

Winklers Bewerbung ist zwar nahezu aussichtslos, sie könnte aber weitreichende Folgen für die Grünen und ihre knapp 60.000 Mitglieder haben. Denn da es als wahrscheinlich gilt, dass auch Jürgen Trittin antreten will, gibt es drei Bewerber, und damit ist eine Urwahl der Spitzenkandidaten möglich geworden. Auf einem kleinen Parteitag Ende April in Lübeck sollen die Regularien beschlossen werden.

Winkler nennt die Urwahl eine "tolle Sache". Er wolle, dass die Parteimitglieder die Wahl haben, und hofft auf möglichst viel Nachahmer. Je mehr Bewerber sich melden, desto besser.