Syrien-Konflikt

Gipfel der Appelle

Arabische Liga ringt in Bagdad um eine Lösung in Syrien. Treffen von Bombenanschlägen überschattet

- So viele Checkpoints hat die irakische Hauptstadt schon lange nicht mehr gesehen. Seitdem die US-Truppen sich im letzten Jahr aus dem Irak zurückzogen, gab es nur noch vor Brücken, Ministerien und der Grünen Zone Checkpoints. Jetzt aber sind sie zurückgekehrt, und Bagdad sieht aus wie zu den schlimmsten Terrorzeiten. Aber es ist nicht die Angst vor blutigen Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten, die für eine erhöhte Sicherheitsstufe sorgt. Zum ersten Mal seit zwei Jahren treffen sich die Staatschefs der Arabischen Liga zum Gipfel, für dessen Sicherheit 100.000 Polizeikräfte sorgen sollen. Und trotzdem findet eine Mörsergranate den Weg über den Tigris. Für den Gipfel wollte man eigentlich nichts dem Zufall überlassen. Die Staatsangestellten wurden kurzerhand in einen einwöchigen Urlaub geschickt, ein Fahrverbot verhängt und die Handynetze abgeschaltet. Staatspräsident Talabani spricht von einem historischen Tag.

Auch Emir von Kuwait im Irak

Der Star unter den arabischen Staatschefs des Gipfels ist zweifelsohne der Emir von Kuwait, der in seinem traditionell weißen Gewand gegen Mittag am für den Zivilverkehr geschlossenen Bagdader Flughafen landet. Bis zuletzt war nicht klar, ob Scheich Sabah al-Ahmad al-Jaber al-Sabah tatsächlich irakischen Boden betreten würde. Nachdem Saddam Hussein mit seiner Armee 1990 in das kleine ölreiche Golfemirat einmarschierte, kam es kurz darauf beim Gipfel der Arabischen Liga in Bagdad zum Eklat. Seither fand kein derartiges Treffen mehr im Irak statt. Das Land wurde von der arabischen Gemeinschaft geächtet. Die Aussöhnung mit dem Nachbarn scheint nun gelungen. Der Irak wähnt sich zurück im Schoße der arabischen Gemeinschaft und tut alles, um zumindest seine Fassaden so glitzernd wie möglich zu gestalten. Die noch vor einigen Jahren gefährlichste Straße Bagdads vom Flughafen in die Innenstadt ist jetzt zu einer der sichersten geworden. Springbrunnen mit bunten Lichtern säumen den Weg und lenken von den Panzern ab, die alle 500 Meter postiert sind. Blumen und Palmen sollen den Aufbruch in eine bessere Zukunft signalisieren. Unter der polierten Oberfläche aber herrscht Chaos.

Auch die Bemühungen der irakischen Gastgeber um Versöhnung und Harmonie können nicht über den tiefen Graben hinwegtäuschen, der die 22 Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga trennt. So ist im ehemaligen Saddam-Palast in der Grünen Zone, wo das Gremium tagt, ein Stuhl demonstrativ leer geblieben: der für Syrien. Während unter dem Druck Saudi-Arabiens eine Einladung für Damaskus zum Gipfel unterblieb, wollten die Iraker ursprünglich Baschar al-Assad an den Konferenztisch bitten. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon appelliert denn auch lediglich, den Friedensplan von Kofi Annan zu unterstützen. Eine weitergehende Erklärung ist nicht durchsetzbar. Nur zehn von insgesamt 22 arabischen Staatschefs sind zum Gipfel erschienen. Syrien spaltet die Gemeinschaft.

Vor allem die Haltung des Irak zum nordwestlichen Nachbarland ist ambivalent. Als es darum ging, die Mitgliedschaft Syriens in der Liga einzufrieren, enthielt Bagdad sich der Stimme, vermittelte aber später die Mission der Beobachter. Als diese scheiterte, brach der innerirakische Konflikt auf. Sunnitische Politiker geben offen zu, die von Assad in Syrien unterdrückten Glaubensbrüder zu unterstützen - die syrische Führungselite ist schiitisch. Und der irakische Premier Nuri al-Maliki, der ebenfalls Schiit ist, will den bedrängten Kollegen in Damaskus nicht gänzlich fallen lassen. Zudem hat sich entlang der Grenze zu Syrien Waffenschmuggel im großen Stil entwickelt. Mittlerweile sind die Preise für Pistolen und Kalaschnikows im Irak um das Doppelte gestiegen. Bis zu 1000 Dollar müsse für ein "halb verrostetes Schießeisen" bezahlt werden.

Angst vor neuem Terror

Die US-Armee und die irakische Regierung haben Syrien jahrelang beschuldigt, den Terror im Irak zu unterstützen. Auf Pressekonferenzen in Bagdad wurden vermehrt Beweise für die Infiltration von ausländischen Kämpfern an der syrisch-irakischen Grenze präsentiert. Nun klagt Damaskus das Ausland an, den Terror in Syrien zu schüren. Es steht zu befürchten, dass sich die Sicherheitslage hier wie im Irak zu den schlimmsten Zeiten entwickeln könnte. Dies vor Augen, will keiner der Gipfelteilnehmer in Bagdad eine Position zu einer militärischen Option beziehen.