Russlands Vizepremier

Die diskreten Geschäfte des Igor Schuwalow

Russlands Vizepremier soll Insiderwissen genutzt haben. Beteiligt sind seine Frau und ein Fonds auf den Bahamas

- Ihm ist wie allen russischen Beamten jede unternehmerische Tätigkeit untersagt. Für seine Frau allerdings gilt das nicht. Und die hat kräftig Geld verdient, mit zum Teil problematischen Geschäften, wie "Financial Times" und "Wall Street Journal" jetzt berichten.

Schuwalow hat sein Vermögen in einen Trust überführt, dessen Begünstigte seine Ehefrau Olga Schuwalowa ist. Ihr Einkommen überstieg in den vergangenen Jahren das ihres Mannes um das Hundertfache. Der Fonds Sevenkey Limited ist auf den Bahamas registriert, investierte Millionen in russische Konzerne.

2004 investierte Sevenkey den Berichten zufolge 17,7 Millionen Dollar (13,3 Millionen Euro) in Aktien des staatlichen Gasförderers Gazprom. Der Kauf erfolgte über Nafta Moskwa, ein Unternehmen von Sulejman Kerimow, einem Freund von Schuwalow. Dieser Umweg war nötig, weil ausländische Unternehmen damals Gazprom-Aktien nicht direkt kaufen durfte. Just zu diesem Zeitpunkt arbeitete die russische Regierung daran, den Handel mit Gazprom-Aktien zu liberalisieren, was unvermeidlich zu einem starken Kursanstieg führen sollte. Vielleicht hatte Schuwalow auch nur den richtigen Riecher für gute Geschäfte, doch er war zu diesem Zeitpunkt auch Wirtschaftsberater des Präsidenten Wladimir Putin.

Als die Familie Schuwalows vier Jahre später die Papiere verkaufte, war der Preis pro Aktie von 1,9 auf 14,57 Dollar gestiegen. Das "Wall Street Journal" schätzt, dass die Familie alleine mit diesem Geschäft etwa 80 Millionen Dollar verdiente, Die "Financial Times" schreibt sogar von 100 Millionen Dollar.

Außerdem besaß der Schuwalowsche Fonds eine Option, die den Kauf von 0,5 Prozent der Aktien des russischen Ölunternehmens Sibneft ermöglichte. Dem "Wall Street Journal" zufolge soll Schuwalow diese Option noch 1996 von Roman Abramowitsch bekommen haben, der sich auf diesem Weg für die Hilfe beim Kauf des einst staatlichen Unternehmens bedanken wollte. 2004 verkaufte Schuwalow die Option an Abramowitsch und investierte danach etwa 50 Millionen Dollar in den Kauf von Anteilen am schlingernden britischen Stahlunternehmen Corus Steel - gemeinsam mit dem Oligarchen Alischer Usmanow. Als Corus seine Probleme in den Griff bekam und die Aktie stieg, bekam der Fonds von Frau Schuwalow sein Geld zurück - zuzüglich eines Gewinns von 70 Millionen Dollar.

Schuwalow bestreitet, sich Insiderwissen bedient zu haben und behauptet, dass alle Geschäfte mit den russischen Gesetzen konform gewesen seien. Er habe stets Interessenskonflikte vermieden. Die russische Staatsanwaltschaft habe bereits die Geschäfte geprüft und keine Gesetzesverstöße gefunden. Schuwalow ist einer der wenigen russischen Beamten, der das hohe Einkommen seiner Familie offenlegt. 2010 habe seine Familie der Steuererklärung zufolge 13,4 Millionen Dollar verdient, sie besitzt Immobilien in Russland, Österreich, Großbritannien und Dubai.

Für Vizepremier Igor Schuwalow könnte das Vermögen jedoch problematisch werden. Der neuen Regierung unter Premier Dmitri Medwedew wird er voraussichtlich nicht angehören. Doch ohne Job bleibt er sicherlich nicht. Der russischen Wirtschaftszeitung "Wedomosti" könnte er demnächst die Leitung der staatlichen Gesellschaft zur Entwicklung Sibiriens und des Fernen Ostens übernehmen. Es dürfte kein Zweifel bestehen, dass Herr Schuwalow das geschäftliche Potenzial dieser Regionen sehr gut einschätzen kann.