Krise

Syrische Führung geht weiter mit Gewalt vor

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Opposition erkennt Nationalrat als Vertretung an

- Die in zahlreiche Gruppen gespaltene syrische Opposition erkennt den Nationalrat als ihren alleinigen Vertreter an.

Die Regierungstruppen hatten Kalaat al-Madik seit zwei Wochen belagert und mit Raketen beschossen, am Mittwoch rückten sie in die Stadt vor, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Armee und Rebellengruppen lieferten sich heftige Gefechte. Der Aktivist Abu Ghasi sagte, die von Deserteuren gegründete Freie Syrische Armee (FSA) leiste Widerstand.

Weitere Gefechte gab es der Beobachtungsstelle zufolge in der südlichen Provinz Daraa, in der nordwestlichen Provinz Idlib sowie in Rastan in der Provinz Homs, wo drei Soldaten getötet worden seien. Die örtlichen Koordinierungskomitees forderten internationale Hilfe für die Menschen in der Stadt Sarakeb im Nordwesten, die zum Katastrophengebiet erklärt wurde.

"Sofortige Taten" gefordert

Die Führung in Damaskus hatte zuvor erklärt, den Friedensplan des Syrien-Sondergesandten von UNO und Arabischer Liga, Kofi Annan, akzeptieren zu wollen. Der Plan sieht unter anderem den Rückzug der Regierungstruppen aus Protesthochburgen, den Zugang für Helfer zu Kampfzonen und die Freilassung von Gefangenen vor. Die Ankündigung stieß international auf Skepsis. China erklärte am Mittwoch, Damaskus müsse seinen Verpflichtungen nachkommen. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte am Dienstag, die Führung müsse ihr Einlenken durch "sofortige Taten" unter Beweis stellen. Auch der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig zweifelte die Glaubwürdigkeit der syrischen Regierung an. Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Kerstin Müller, erklärte am Mittwoch, den Worten müssten Taten folgen.

In Bagdad bereiteten die Außenminister der Arabischen Liga unterdessen eine Resolution vor, in der Regierung und Opposition in Syrien zum Dialog aufgefordert werden sollen. Der Text soll am Donnerstag von den arabischen Staatschefs verabschiedet werden. Ein Sprecher des syrischen Außenministeriums erklärte jedoch, sein Land werde jegliche vom Gipfel der Arabischen Liga ausgehende Initiative boykottieren.

Bei einer Oppositionskonferenz in Istanbul erkannte der Großteil der Teilnehmer am Dienstag den Syrischen Nationalrat als ihren alleinigen Vertreter an. Nationalrat-Sprecher George Sabra sagte, seine Gruppierung werde der Ansprechpartner der "Freunde Syriens" sein, die am Sonntag in Istanbul zusammenkommen.

( AFP )