Massenproteste

New Black Panther setzen 10.000 Dollar Kopfgeld aus

Nach dem tödlichen Schuss auf einen unbewaffneten schwarzen Jugendlichen im US-Staat Florida haben am Wochenende erneut Tausende Amerikaner für Gerechtigkeit und gegen Rassismus demonstriert.

Bei den Protestaktionen unter anderem in Washington, New York, Chicago und Tampa waren viele Teilnehmer mit schwarzen Kapuzen-Sweatshirts bekleidet - ähnlich jenem, das der 17-jährige Trayvon Martin am Tag seines Todes getragen hatte.

Auch via Facebook und Twitter haben mittlerweile Millionen Menschen ihrem Zorn und ihrer Verbitterung über Trayvons gewaltsames Ende Luft gemacht.

Trayvon war am 26. Februar in Sanford, einem Vorort von Orlando, während eines Abendspaziergangs getötet worden. Der 28-jährige Schütze George Zimmerman, ein Weißer, der in dem Wohngebiet freiwillig Sicherheitspatrouillen durchführte und deswegen bewaffnet war, gab an, dass er aus Notwehr gehandelt habe.

Verdacht wegen cooler Kapuze

Die Kapuze, die cool sein soll, indem sie das Gesicht im Verborgenen hält, mag den Verdacht von George Zimmerman (28) erregt haben. Der Bürgerwehr-Aktivist war stolz auf seine Zusammenarbeit mit der Polizei. Er besaß einen Waffenschein, und er verfolgte den Jungen, der ihm verdächtig erschien. Zimmerman nahm die Verfolgung auf, auch als die Polizei ihm riet, den Jungen in Ruhe zu lassen. Über die Konfrontation der beiden gibt es zwei unvereinbare Versionen. Zimmerman sagt, er sei angegriffen worden und habe sich verteidigt. Sein Nasenbein sei gebrochen, er habe eine Platzwunde am Kopf. Martins Freundin, mit der er bis zur letzten Sekunde telefonierte, sagt aus, er habe versucht zu entkommen. Anwohner hörten einen lauten Wortwechsel und den Schuss.

Seit der Fall US-weit bekannt wurde, reißen die Proteste nicht ab, weil die Behörden zunächst nicht gegen Zimmerman vorgingen. Sie machten geltend, dass erste Untersuchungen nicht genügend Beweise für ein kriminelles Verhalten erbracht hätten. Nun wird sich aber am 10. April eine Grand Jury (Anklagekammer) mit dem Fall beschäftigen und darüber entscheiden, ob Anklage wegen Mordes erhoben werden soll. Eine schwarze Separatistengruppe, die New Black Panther Party, setzte ein "Kopfgeld" in Höhe von 10.000 Dollar für die "Gefangennahme" Zimmermans aus.

FBI und US-Justizministerium ermitteln unterdessen in Sanford; der dortige Polizeichef ist "einstweilen" zurückgetreten. Doch wenn sie kein Verbrechen nach Bundesrecht finden, etwa ein "Hassverbrechen", wird es schwer. Für die Demonstranten gibt es keinen Zweifel, dass Zimmerman, wäre er ein Schwarzer und wäre Trayvon Martin weiß gewesen, in Haft säße. Prominente Schwarze, Journalisten und Kolumnisten, nehmen die Tragödie persönlich. Jeder schwarze Vater warne seinen Sohn vor der Gefahr, als gefährlich zu gelten. Sie müssten lernen, nicht bedrohlich zu wirken: nicht über Bürgersteige zu rennen, und sei es im Spaß, nicht die Stimme und niemals die Hand zu erheben. Jeder Schwarze, ob Professor oder Automechaniker, mache die Erfahrung, von seinen Mitbürgern und von der Polizei mit Misstrauen wahrgenommen zu werden.

An diesen Reflexen hat sich auch in der Ära Barack Obama wenig geändert. "Ich kann nur ahnen, was die Eltern durchmachen", hatte der Präsident gesagt, "wenn ich an den Jungen denke, denke ich an meine Kinder." Newt Gingrich hatte die Stirn, den Kommentar Obamas "schändlich" zu heißen. Der Präsident fände es wohl "okay", wenn ein weißer Jugendlicher getötet worden wäre. Die Proteste werden weitergehen. "Sehe ich verdächtig aus?", steht auf den Transparenten, "Ich bin Trayvon".