Sponsoren

Die Party ist vorbei

"Unsere Feiern sind wie unsere Ideen - legendär" - so stand es stolz auf einem Banner, das die Niedersächsische Landesvertretung im vergangenen Jahr zum Sommerfest an die Fassade gehängt hatte. Tatsächlich zählt die Sause der Niedersachsen, bei der es Landes- und Bundespolitiker, Abgeordnetenassistenten, Wirtschaftsvertreter und Journalisten kurz vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause krachen lassen, zu den beliebtesten Politfesten im Berliner Regierungsviertel.

Auch am 25. Juni soll das wieder so sein. Doch ob das Fest noch einmal solch "legendäre" Ausmaße annimmt, ist fraglich. Denn finanziert wird die Veranstaltung wie alle Länderfeiern fast ausschließlich von Sponsoren, die im Gegenzug teils Werbeflächen oder Zelte aufstellen und ihre Produkte bewerben, gleich vor Ort ausschenken oder als Antipasti, Schnitzel und Kartoffelsalat auf Tellern drapieren.

Das Problem: Spätestens seit der Affäre um den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff ist das Politsponsoring in Verruf geraten. Das zeigt sich an den leer bleibenden Logen in den Fußballstadien und setzt sich bei den Sommerfesten in Berlin fort. Viele Unternehmen legen eine neue Vorsicht an den Tag, wenn es um die Finanzierung politischer Veranstaltungen geht. Im Regierungsviertel ist bereits von einem "Paradigmenwechsel" die Rede.

Die bislang prominenteste Absage, die die Organisatoren in allen Landesvertretungen hat aufhorchen lassen, kam von Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube. Demnach wird sich der Konzern ab sofort nicht mehr "an all den Veranstaltungen und Arten von politischem Sponsorship" beteiligen. Grube begründete den Sinneswandel - und das ist ungewöhnlich - sogar offen mit der Debatte über Wulff, der 2010, kurz vor seinem Jobwechsel, zu seinem letzten Sommerfest als Ministerpräsident in die niedersächsische Landesvertretung geladen hatte. Wenige Tage später hielt er als Staatsoberhaupt dann mit Unterstützung der Sponsoren beim Bürgerfest in Schloss Bellevue Hof.

Air Berlin streicht Zuschüsse

Die Bahn hatte das Fest der Niedersachsen seinerzeit nur mit 1000 Euro unterstützt (Gesamtumfang der Sponsorenleistungen: rund 300.000 Euro). Aber der Konzern ist kein Einzelfall, auch wenn der neue Kurs nicht überall mit Wulff begründet wird. Beispiel Air Berlin. Eine Sprecherin der Fluggesellschaft wies auf Nachfrage darauf hin, dass man im Rahmen eines "Effizienzverbesserungsprogramms" seit einigen Monaten alle Bereiche und Aktivitäten des Unternehmens überprüfe. Vor diesem Hintergrund habe der Vorstand entschieden, "die werblichen Auftritte bei Veranstaltungen und Sponsoringmaßnahmen des Unternehmens erheblich zu reduzieren".

Davon sei nicht nur das Niedersachsen-, sondern auch das Sommerfest des Bundespräsidenten betroffen, wo Air Berlin in diesem Jahr nicht mehr mit einem Informationsstand vertreten sei, sagte die Sprecherin. Da diese Entscheidung bereits im Herbst gefallen sei, habe sie also nichts mit den "aktuellen Entwicklungen oder Diskussionen" zu tun. Das Fest der Niedersachsen hatte das Unternehmen 2010 noch mit einer Geldleistung in Höhe von 7500 Euro unterstützt, wie sich aus einer im Internet veröffentlichten Liste der "Geld-, Sach- und Dienstleistungen" an die Niedersächsische Staatskanzlei ergibt.

Spannend ist auch, ob der hannoversche Finanzdienstleister AWD wieder dabei sein wird. 2010 trug der von Carsten Maschmeyer gegründete Konzern mit der größten Einzelspende von 25.000 Euro zum Gelingen bei. Maschmeyer ist mit Wulff befreundet und stellte ihm schon einmal seine Finca auf Mallorca zum Urlaub zur Verfügung. Auch finanzierte er Anzeigen für eines von Wulffs Büchern.

Rüdiger Jacobs, Sprecher der Landesvertretung, sagte aber, man sei zuversichtlich, das Fest in bewährter Form ausrichten zu können. Gerade Mittelständler aus der Region würden sich darüber freuen, in der Hauptstadt ein so attraktives Forum zu erhalten.

Absage aus Rheinland-Pfalz

Kurzen Prozess machen dagegen die Rheinland-Pfälzer. "In diesem Jahr findet kein Fest bei uns statt", heißt es in der Landesvertretung unter Verweis auf "finanzielle Gründe". Kritiker sehen vielmehr einen Zusammenhang mit Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Über den Landesvater ("Immer langsam mit de Leut") war im Zuge der Wulff-Recherchen bekannt geworden, dass er beim Kölner Event-Manager Manfred Schmidt einen Privatjet geordert hatte, um noch rechtzeitig an einer von dessen Festen in Hamburg teilnehmen zu können.

Ganz so weit gehen wollen die Baden-Württemberger nicht. Aber die nächste Stallwächterparty im Sommer werde "bescheidener ausfallen als die letzte", wie Peter Friedrich (SPD), Minister für Bundesratsangelegenheiten, sagte. "Wir haben den Haushaltsansatz dafür gekürzt und werden die Gästezahl etwas verringern." Das sei schon vor der Wulff-Affäre so entschieden worden, doch habe diese Debatte "sicher den einen oder anderen Sponsor vorsichtiger werden lassen".

Tatsächlich zählte bislang unter anderem der Autobauer Daimler zu den Geldgebern - und somit jener Konzern, der bereits mitgeteilt hat, auch beim Sommerfest des Bundespräsidenten nicht länger an Bord bleiben zu wollen. Diese Veranstaltung im Schloss Bellevue mit mehr als 5000 Gästen ist traditionell die größte ihrer Art in Berlin - auch weil dazu nicht nur Prominente, sondern außerdem Bürger eingeladen werden, die sich ehrenamtlich engagieren. Dass die Liste der Geldgeber in diesem Jahr kürzer ausfallen wird, scheint schon jetzt klar - über "alle anderen Fragen werden wir dann wieder reden, wenn nach der Wahl des neuen Bundespräsidenten die Entscheidungen über Termine und Veranstaltungen des Staatsoberhauptes gefallen sind", sagte eine Sprecherin. Damit könnten auch Stilfragen gemeint sein.

Weniger empfindlich zeigt sich das Land Berlin, dessen Hoffest im Roten Rathaus ebenfalls komplett durch Sponsoring finanziert wird. "Sollten wegen der Wulff-Debatte nun irgendwelche Geldgeber wegbleiben, dann wird es eben kleiner", sagte Senatssprecher Richard Meng.