Syrien

Assad-Regime lässt Rotes Kreuz nicht nach Baba Amr

Syrische Regierungstruppen haben dem Roten Kreuz am Sonntag weiterhin den Zugang zu einem von Kämpfen schwer verwüsteten Viertel der syrischen Stadt Homs verwehrt. Es könne noch Tage dauern, bevor die Hilfslieferungen hineingelassen würden, sagte ein Sprecher des Roten Halbmonds in Homs.

Mit dem örtlichen Gouverneur habe man eine Einigung erzielt, wonach das Rote Kreuz am morgigen Dienstag das Viertel betreten dürfe, sagte er. Ein Sprecher des Roten Kreuzes in Damaskus sagte hingegen, die Verhandlungen dauerten noch an und er hoffe, der Organisation werde noch am Sonntag Zugang gewährt.

Seit Freitag bemühen sich die Helfer, in den Stadtteil Baba Amr zu gelangen, der von syrischen Regierungstruppen nach fast einmonatiger Belagerung und anhaltendem Beschuss am Donnerstag erobert wurde. Trotz des Einverständnisses der Regierung in Damaskus verweigerten die Truppen vor Ort einem Konvoi mit 15 Tonnen Lebensmitteln, Medikamenten und Decken bislang den Zugang. Im drei Kilometer von Homs entfernten Dorf Abel und in den Vierteln Inschaat und Tausii begannen Mitarbeiter des Roten Kreuzes unterdessen mit der Ausgabe von Nahrungsmitteln und Decken an Familien, die aus Baba Amr geflüchtet waren.

International hält die Kritik an der syrischen Regierung an. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon forderte eine Einreiseerlaubnis für die Nothilfekoordinatorin Valerie Amos. Er sei "zutiefst enttäuscht", dass Amos trotz wiederholter Zusicherungen der Regierung nicht habe nach Syrien reisen dürfen, sagte Ban. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu bezeichnete das Vorgehen des syrischen Regimes als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Mangelnde internationale Einigkeit ermutigt nach Ansicht der türkischen Regierung das Regime in Damaskus in seinem harten Vorgehen gegen seine Kritiker. Das Ausmaß des Blutvergießens habe die Dimension der Balkankriege der 90er-Jahre erreicht, sagte er.

China beschränkt sich unterdessen auf Appelle zum Dialog. In einem Vorschlag des chinesischen Außenministeriums ist die Rede von einem Waffenstillstand und Gesprächen zwischen dem Regime und der Opposition unter Vermittlung der UN und der Arabischen Liga. Eine Resolution zum Ende der Gewalt in Syrien ist bereits zweimal am Veto Chinas und Russlands gescheitert.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) versicherte dem Syrien-Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga, Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan, die volle Unterstützung Deutschlands. Es sei gut und wichtig, dass die UN und die Liga gemeinsam einen Beauftragten ernannt hätten, sagte Westerwelle in einem Telefongespräch mit Annan. Das festige den Willen der internationalen Gemeinschaft, in der Syrien-Krise gemeinsam zu handeln.