Bevölkerung

In der Demografiefalle

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Dorothea Siems

Für Michael Diekmann sieht die Zukunft Deutschlands düster aus. "Dem Land steht ein demografischer Stresstest bevor", prophezeit der Chef des Versicherungskonzerns Allianz. Sinkende Geburtenzahlen, eine alternde Bevölkerung und immer mehr Pflegefälle stellen die Gesellschaft vor bisher ungekannte Probleme. "Bisher fehlt ein Gesamtkonzept, um den demografischen Wandel zu bewältigen", mahnt der Allianz-Konzernchef.

Auf dem 1. Berliner Demografie-Forum, zu dem das Bundesfamilienministerium Experten aus dem In- und Ausland in die Hauptstadt geladen hatte, wurden jede Menge Daten präsentiert, die ein Schrumpfen der deutschen Bevölkerung zeigen. Seit 1970 sterben hierzulande mehr Menschen, als Kinder geboren werden. Nur die Zuwanderung hat bislang verhindert, dass die Bevölkerung abnimmt. Doch bis 2050 werde die Einwohnerzahl von derzeit rund 82 Millionen auf nur noch 69 Millionen sinken, sagt Diekmann voraus. Wegen der seit drei Jahrzehnten niedrigen Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau und der weiter steigenden Lebenserwartung beschleunige sich der Trend der Alterung. Der Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen werde entsprechend deutlich zunehmen, die Altersdemenz werde zum Massenproblem.

Dass die Entwicklung allerdings nicht immer nur in eine Richtung verläuft, beweisen die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Danach schrumpfte die deutsche Bevölkerung 2011 nach vorläufigen Schätzungen nicht. Die Statistiker können keinen Babyboom melden, auch bleibt die Zahl der Sterbefälle weiterhin hoch. Doch die dritte relevante Größe für die Bevölkerungsentwicklung, die Zuwanderung, stieg 2011 so stark, dass die Einwohnerzahl erstmals seit vielen Jahren wieder zulegte. Ende 2011 lebten nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes 81,8 Millionen Menschen in Deutschland und damit über 50 000 Personen mehr als im Vorjahr. Das ist das erste Plus seit 2002.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), sagte:"Es handelt sich überwiegend um Zuwanderung aus EU-Ländern." Gerade aus den Krisenländern Griechenland und Spanien machten sich viele gut Qualifizierte nach Deutschland auf. Hierzulande hätten sie gute Entwicklungschancen. Und sie sind angesichts des Fachkräftemangels begehrt. Auch die seit Mai 2011 geltende Arbeitnehmerfreizügigkeit gegenüber den meisten osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten habe die Zuwanderung nach Deutschland verstärkt. Vor allen aus Polen kamen viele Menschen