Verteidigungspolitik

US-Soldaten sollen aus Deutschland abgezogen werden

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Ansgar Graw

Zwei Kampfbrigaden aus Europa abziehen, davon mindestens eine aus Deutschland - und gleichzeitig die US-Militärpräsenz auf dem Kontinent verstärken: Diese recht widersprüchlich scheinenden Ziele verfolgen die USA im Rahmen ihrer neuen Verteidigungsstrategie. Sie rückt den Pazifikraum in den Fokus der Sicherheitspolitik - bei massiven Budgetkürzungen.

In Deutschland, wo derzeit drei der vier europäischen Kampfbrigaden der US Army stationiert sind, könnten die 170. Infanteriebrigade in Grafenwöhr (Bayern) und die 172. Infanteriebrigade in Baumholder (Rheinland-Pfalz) vom Abzug betroffen sein. Eine dritte US-Kampfbrigade sitzt in Vilseck in der bayerischen Oberpfalz. Die vierte US-Kampfbrigade in Europa hat ihre Basis in Italien. Nach vom Pentagon nicht bestätigten Spekulationen könnten am Ende eine Brigade in Deutschland und die Brigade in Italien übrig bleiben.

Die Regierung in Washington ist erkennbar bemüht, europäische Sorgen wegen der anstehenden Truppenausdünnung zu mildern. Insbesondere in Osteuropa könnte es wegen schwer absehbarer Entwicklungen etwa in Russland insbesondere nach dem Georgien-Konflikt 2008 Bedenken geben. Verteidigungsminister Leon A. Panetta hat darum nach eigenen Angaben in den vergangenen Tagen vorsorgliche Gespräche mit den europäischen Partnern geführt. Panetta sagte im texanischen Fort Bliss, "tatsächlich werden sie (die Europäer) unter der neuen Strategie wahrscheinlich mehr Amerikaner sehen, weil die Brigaden, die dort saßen, in Afghanistan eingesetzt wurden und darum ohnehin nicht vor Ort waren". Das stimmt - Grafenwöhr wie Baumholder waren in den letzten Jahren wegen der Dislozierung der dortigen Einheiten nach Afghanistan und in den Irak nur schwach mit US-Soldaten besetzt.

Zudem kündigte Panetta eine verstärkte "Rotationspräsenz" von US-Soldaten in Europa an. Auch dazu gibt es noch keine Details. Der Plan könnte auf die Wiederaufnahme einer verkleinerten Variante der "Operation Reforger" (Wiederhersteller) hinauslaufen. Unter diesem Titel waren während der Zeit des Kalten Krieges und in den unmittelbaren Folgejahren zwischen 1969 und 1993 jährlich US-Truppen in großer Zahl zu Manövern insbesondere nach Deutschland verlagert worden. Die Maßnahmen sollten die Flexibilität und Reaktionsschnelligkeit für den Fall eines Konfliktes mit dem Warschauer Pakt demonstrieren. Der Kostenvorteil für die USA bestünde darin, dass bei solchen rotierenden, wenige Monate dauernden Stationierungen die Familien der Soldaten in der Heimat bleiben würden.

Derzeit sind 81 000 US-Soldaten in Europa stationiert. Vom Abzug zweier Brigaden dürften 10 000 bis 15 000 Soldaten sowie deren Angehörige betroffen sein. Das Pentagon muss in den kommenden zehn Jahren mindestens 487 Milliarden Dollar einsparen. Die strategische Reduzierung der US-Kräfte in Europa betrifft erkennbar vor allem das Heer. Präsident Barack Obama hatte bei der Vorstellung des Berichtes vor wenigen Tagen ein "schnelles und flexibles" Militär angekündigt, das in der Lage sein werde, "auf alle Herausforderungen zu reagieren". Das bedeutet eine Verlagerung des Gewichtes von den traditionellen Landstreitkräften auf Marine, Luftwaffe sowie Cyberwar-Einheiten.