Zwickauer Zelle

Terror-Verdächtiger Holger G. sagt umfassend aus

| Lesedauer: 3 Minuten

Foto: dpa / dpa/DPA

Der inhaftierte Holger G. bringt neues Licht ins Dunkel der rechten Mordserie: In einer umfassenden Aussage hat der mutmaßliche Helfer der Zwickauer Terrorzelle sich und den Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben schwer belastet.

Gegenüber Ermittlern hat der Terror-Verdächtige Holger G. angegeben, dem Neonazi-Trio auf Anweisung Wohllebens vor rund zehn Jahren einen Reisepass und eine Pistole verschafft zu haben, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vorab. Bis Mai 2011 seien Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos schließlich weiter von ihm unterstützt worden.

Kurz nach dem Abtauchen der drei im Jahr 1998 habe ihn - der inzwischen ebenfalls inhaftierte - Wohlleben um Geld für die Flüchtigen gebeten, worauf G. ihm 3000 D-Mark ausgehändigt haben will. Zwei bis drei Jahre später habe der NPD-Funktionär ihn dann angewiesen, einen Reisepass für Böhnhardt erstellen zu lassen. Den habe G. konspirativ auf dem Zwickauer Bahnhof übergeben, nachdem Wohlleben ihm die geheime Telefonnummer der Untergetauchten vermittelt habe.

Pistole in Stoffbeutel übergeben

Zudem habe G. nach eigener Aussage 2001 oder 2002 eine Waffe an die Flüchtigen ausgehändigt. Wohlleben habe ihm einen Stoffbeutel mit der Pistole in die Hand gedrückt und hinzugefügt, dass es besser sei, wenn er nicht wisse, was die drei damit vorhätten. Zschäpe habe ihn dann laut Vernehmungsprotokoll am Bahnhof abgeholt und in ein Wohnhaus gebracht, wo Böhnhardt und Mundlos warteten. Anschließend will sich G. demnach geweigert haben, weitere Kurierdienste für die Neonazis zu übernehmen und mit Waffen zu hantieren. Allerdings habe er auch weiterhin ziemlich regelmäßig mit ihnen telefoniert. Im Jahr 2005 schließlich seien die drei plötzlich vor der Wohnung von G. in Hannover aufgetaucht und hätten ihn kurz darauf gebeten, einen Führerschein zu arrangieren. Die Gebühr, so hätten sie versichert, würden sie ihm erstatten.

Holger G. will die Terrorzelle nach eigener Aussage auf deren Druck hin noch im Mai 2011 unterstützt haben. Als er zögerte, habe ihm das Trio verdeutlicht, dass es keine Chance zum Ausstieg gebe. Nach zehn Jahren sei es zum Kneifen zu spät.

Die Duisburger Staatsanwaltschaft überprüft unterdessen einen acht Jahre alten Mordanschlag auf Spuren zu der Zwickauer Neonazi-Zelle. Das sagte Sprecher Detlef Nowotsch und bestätigte einen Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (WAZ). Es handele sich um eine Routineüberprüfung, so wie auch andere ungeklärte Fälle derzeit auf eine Täterschaft der Zwickauer Neonazis untersucht würden. Grund für die Überprüfung sei das damals verwendete Tatwerkzeug. Im Dezember 2003 war ein türkischstämmiger Gastwirt in Duisburg in eine Selbstschussfalle gefahren. Er überfuhr einen Draht, der einen Schussapparat auslöste. Der Mann überlebte schwer verletzt. Laut WAZ wurde ein ähnlicher Apparat in dem Haus in Zwickau gefunden, das die inzwischen inhaftierte mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe angezündet hatte.

Das Bundeskriminalamt hat zudem laut "Focus" neue Hinweise auf eine Urheberschaft des Terrortrios für den Nagelbombenanschlag 2004 in Köln. Die Dateinamen von Videosequenzen auf dem Computer Zschäpes wiesen auf ihre mutmaßlichen Mittäter hin.

Zur Mordserie des Trios wird es aller Voraussicht nach einen Bundestags-Untersuchungsausschuss geben. Die SPD-Fraktion wolle einem entsprechenden Antrag der Grünen zustimmen, sagte ein Sprecher.

( BM )