Verhandlungen

Die Klimakonferenz in Durban steckt in einer Sackgasse

Nach Einschätzung des Potsdamer Klimaforschers Ottmar Edenhofer stecken die Verhandlungen beim Klimagipfel im südafrikanischen Durban in einer Sackgasse. Es müsse ein neues Format überlegt werden, sonst sei in den kommenden Jahren kein effektiver und gerechter Klimaschutz möglich, sagte Edenhofer im Deutschlandradio Kultur.

Edenhofer schlug vor, den Teilnehmerkreis bei den Verhandlungen auf die größten Industrienationen und Schwellenländer (G 20) zu verkleinern.

Kritik am Verhandlungsstil der Europäer kam auch von Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamts und Mitglied der deutschen Delegation in Durban. "Das Feilschen um Prozentpunkte ist nicht mehr zeitgemäß", sagte Flasbarth der Morgenpost. Länder wie China würden die Europäer mit ihren "alten Taktiken und Schachzügen" nicht mehr ernst nehmen. Flasbarth sieht zwischen China und der Europäischen Union große kulturelle Unterschiede, die jetzt bei den Klimaverhandlungen in Durban überwunden werden müssten. "Für Europäer ist eine Verhandlung nur erfolgreich, wenn sie mit einer Vertragsunterzeichnung endet", sagte Flasbarth. "Die Chinesen denken da ganz anders." Sie würden sich auch ohne vertragliche Bindung im Klimaschutz engagieren.

Aber auch bei den Verhandlungen mit den USA seien jetzt viel "diplomatisches Geschick" und die "richtige Tonlage" gefordert. "Moralische Appelle beeindrucken die Amerikaner wenig", sagte Flasbarth. "Das europäische Bekenntnis - zum Wohle unserer Kinder und Kindeskinder - zieht in den USA nicht." Flasbarth plädiert daher dafür, die Rolle der Technologie und die wirtschaftlichen Chancen des Klimaschutzes stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Es sei eine wichtige Aufgabe der Konferenz, die USA zum Mitmachen zu bewegen.

Noch bis zum kommenden Freitag beraten die Delegierten aus mehr als 190 Staaten in Durban über eine Nachfolgeregelung für das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zur Begrenzung der Treibhausgas-Emissionen. "Die Industriestaaten sollten das Kyoto-Protokoll um einige Jahre verlängern", sagte Flasbarth. Alle Staaten zusammen, also auch Entwicklungs- und Schwellenländer, sollten grundsätzlich zustimmen, einen umfassenden Nachfolgevertrag auszuhandeln. "Dann", so Flasbarth, "wäre Durban ein Erfolg."