Gesundheit

Bürger sollen gezielt zu Organspende befragt werden

Die Bürger in Deutschland sollen künftig gezielt vor die Entscheidung gestellt werden, ob sie zu einer Organspende bereit sind. Die Fraktionschefs aller Bundestagsparteien einigten sich am Donnerstag auf einen gemeinsamen Antrag mit dem Ziel, die Zahl der Organspender in Deutschland zu erhöhen.

Die Neuregelung soll jenen rund 12 000 Kranken, die in Deutschland auf ein Spenderorgan warten, neue Hoffnung machen.

Anders als bisher sollen die Bürger künftig explizit - etwa mit dem Versand der Versichertenkarte - gefragt werden, ob sie zur Organspende bereit sind. Zwang soll es dabei aber nicht geben. Die Abfrage solle geschehen "mit so viel Nachdruck wie möglich, ohne jedoch eine Antwort zu erzwingen oder Sanktionen auszuüben", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der gesundheitspolitischen Sprecher der Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP, Grünen und Linkspartei.

Durch das neue Vorgehen solle "die Information über das und die Konfrontation mit dem Thema regelmäßiger und strukturierter als bisher erfolgen", hieß es in dem Text. Die Abgeordneten kündigten an, noch in diesem Jahr einen fraktionsübergreifenden Gruppenantrag in den Bundestag einzubringen.

Das Treffen in Berlin war auf Einladung der Fraktionschefs von Union und SPD, Volker Kauder und Frank-Walter Steinmeier, erfolgt. Beide zeigten sich erleichtert über die Einigung. Der Entwurf solle "gesetzgeberischen Nachdruck schaffen, damit Menschen sich entscheiden, ob sie Organspender sein wollen oder nicht", erklärte Steinmeier. "Viele Menschen warten auf eine Lösung", fügte Steinmeier, der seiner Frau vor zwei Jahren eine Niere gespendet hatte, hinzu.

Der politischen Einigung war eine jahrelange Kontroverse vorausgegangen. Auslöser war die große Diskrepanz zwischen der grundsätzlichen Bereitschaft vieler Menschen zu spenden und der Zahl derjenigen, die tatsächlich einen Organspendeausweis haben. Derzeit gilt in Deutschland die sogenannte Zustimmungslösung, wonach ein Mensch schon zu Lebzeiten aus eigenem Antrieb einer Organspende zugestimmt haben muss.