Polnischer Wahlkampf

Der Mann mit dem Gummipenis

Nur einer mischt den langweiligen Wahlkampf richtig auf: Außenseiter Janusz Palikot, dessen Palikot-Bewegung damit rechnen kann, aus dem Stand die Fünfprozenthürde zu überspringen. Sie selbst sieht sich bei zehn Prozent und spricht bereits über die Verteilung der Ministerposten. Und jetzt, vor den polnischen Parlamentswahlen am Sonntag, reden alle über den 46-Jährigen.

Schon das ist ein Erfolg für Palikot, der in den letzten Tagen untypischerweise mit Krawatte auftritt. Manche halten ihn für einen Spinner, andere für den "einzigen Hoffnungsträger der verknöcherten Politszene". Palikot ließ sich zuletzt, nur mit einem Lendenschurz bekleidet, als gekreuzigter Christus fotografieren und verkündete: "Ich will der neue Messias der Linken sein, der die polnische Politik verändert."

Palikot studierte Philosophie an der Katholischen Universität Lublin, der einzigen christlichen Hochschule des Ostblocks und einem Refugium für unangepasste Geister. Er schrieb seine Magisterarbeit über Kant. 1990 gründete er eine erfolgreiche Schaumweinfirma, später produzierte er Wodka. Er war in Arbeitnehmerverbänden aktiv, erhielt für seinen Einsatz "zum Wohle der polnischen Wirtschaft" das Goldene Verdienstkreuz, war beeindruckt von Papst Johannes Paul II.

2005 wechselte er in die Politik. In diesem Jahr erlebte Polen den Aufstieg zweier Politiker, die derzeit die wichtigsten des Landes sind: der liberale Regierungschef Donald Tusk und sein national-konservativer Gegenspieler Jaroslaw Kaczynski. Palikot schloss sich Tusk an, kam ins Parlament, übernahm wichtige Funktionen.

Doch zunächst regierte Kaczynski. Seine Versuche, das katholische Polen in einen Weltanschauungsstaat zu verwandeln, haben offenbar entscheidend dazu beigetragen, dass Palikot sich heute als "Linker" sieht. Zugleich erkannte der Parlamentsneuling, wie "rücksichtslos und zynisch Politik oft ist". Ein Rebell war geboren: Palikot begann mit seinen happeningähnlichen Auftritten. Einer der bekanntesten war eine Pressekonferenz, auf der er gegen einen Fall von sexuellem Missbrauch durch Polizisten protestierte. Dazu hantierte er mit einem Gummipenis.

Bald lag er mit seiner eigenen Partei überkreuz. Vor einem Jahr legte er sein Mandat nieder und gründete seine eigene Partei. Inzwischen sind das Verhältnis zur Kirche und Fragen der Sexualmoral zu seinen Kernthemen geworden. Er fordert, den von Priestern in der Schule geleisteten und vom Staat bezahlten Religionsunterricht in die Kirchen zu verlegen. Außerdem: Ja zur Homo-Ehe, Ja zur Legalisierung weicher Drogen, Ja zur Liberalisierung des strengen Abtreibungsgesetzes.

Doch die Regierung steht gut da: Premier Tusk sieht als ihr größtes Verdienst, Polen mit hohen Wachstumsraten gut durch die Krise gesteuert zu haben. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, mit Palikot zu koalieren, sagt Tusk: "Ich kenne Palikots Talent zu Happenings, aber Regieren ist kein Happening."